FAQ Selbstständigkeit Ich-AG oder Überbrückungsgeld?

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Ich-AG oder Überbrückungsgeld?

Ich-AG oder Überbrückungsgeld - was lohnt sich für mich?

Die Entscheidung zwischen Ich-AG und Überbrückungsgeld wird von vielen gefühlsmäßig getroffen. Die einen sehen nur die nächsten sechs Monate, in denen sie beim Überbrückungsgeld gut 170 Prozent ihres bisherigen Arbeitslosengeldes (oder 135 Prozent ihrer Arbeitslosenhilfe) beziehen können. Auch das bessere Image des Überbrückungsgeldes spielt oft eine maßgebliche Rolle bei der Wahl der Förderung.

Die anderen lassen sich von den 600 Euro Existenzgründerzuschuss blenden, die es bei der Ich-AG im ersten Jahr gibt, und werden sich erst zu spät darüber klar, dass ein großer Teil der Förderung gleich wieder in Form von Sozialversicherungsbeiträgen abfließt und deshalb im zweiten und dritten Jahr kaum noch etwas von der Förderung übrig bleibt. So mancher lässt sich auch von der Notwendigkeit abschrecken, für das Überbrückungsgeld zunächst einen Businessplan erarbeiten zu müssen, der dann von einer fachkundigen Stelle begutachtet wird.

Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie die Alternativen einmal konkret durchgerechnet? Mit den folgenden Hinweisen will ich Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Werden Sie sich zunächst über die Einnahmeseite klar.

Vergleichen Sie die absoluten Zahlen:

Bei der Ich-AG erhalten Sie unabhängig von Ihrem bisherigen Einkommen 14.400 Euro Förderung, sofern Sie die Selbstständigkeit drei Jahre durchhalten.

Das Überbrückungsgeld bemisst sich dagegen nach Ihrem Anspruch auf Arbeitslosengeld- bzw. -hilfe (wenn Sie noch kein Arbeitslosengeld beziehen, können Sie unter http://www.pub.arbeitsamt.de/alt.html eine Selbstberechnung durchführen). Vergleichen Sie Ihr Überbrückungsgeld anhand der folgenden Tabelle:



Vergleich

Ich-AG

Ihr Überbrückungsgeld

3 Jahre

14.400 Euro

Arbeitslosengeld + 71,5% bzw. Arbeitslosenhilfe + 35,7%:

2 Jahre

11.520 Euro

1 Jahr

7.200 Euro

½ Jahr

3.600 Euro



Beachten Sie dabei auch Ihren persönlichen Zeithorizont: Sind Sie noch nicht sicher, ob Selbstständigkeit für Sie wirklich eine dauerhafte Lösung ist? Oder werden Sie schon im ersten oder zweiten Jahr mehr als 25.000 Euro Gewinn machen (vielleicht weil sich die Selbstständigkeit sonst im Vergleich zur Anstellung gar nicht rechnen würde)?

Bei Überschreiten der Einkommensgrenze entfällt die Ich-AG-Förderung für die Folgejahre. Ihr Überbrückungsgeld ist dagegen gleich hoch, egal ob Sie 6 Monate oder 3 Jahre selbstständig bleiben und unabhängig davon, wie viel Sie zusätzlich verdienen.

Zu einem vollständigen Vergleich gehört aber auch die Ausgabeseite.

Rechnen Sie ganz konkret aus, wie hoch Ihre Sozialversicherungsbeiträge ausfallen werden:

  • Bei der Ich-AG müssen Sie mindestens mit 169 Euro Krankenversicherung, 21 Euro Pflegeversicherung und 78 Euro Rentenversicherung rechnen. Ihre Mindestbelastung beträgt also 268 Euro pro Monat (zur Erklärung: Ich-AG-Gründer sind Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung. Ausnahme: Rechtsanwälte, Ärzte usw. mit berufsständischem Versorgungswerk. Annahme: Sie sind gesetzlich krankenversichert mit einem Beitragssatz von 14 Prozent).

  • Bei 1.200 Euro monatlichem Einkommen beträgt die Belastung des Ich-AG-Gründers durch Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung bereits 424 Euro, darüber dann (bis zum Erreichen der Bemessungsgrenzen) gut 35 Prozent des Einkommens.

  • Für Überbrückungsgeld-Gründer liegt (bei gleichen Annahmen) die Untergrenze des Krankenversicherungsbeitrags bei 254 Euro und für die Pflegeversicherung bei 31 Euro. Obwohl sie nicht in die Rentenversicherung einzahlen müssen, liegt ihre Mindestbelastung mit 285 Euro höher als die der Ich-AG-Gründer.

  • Allerdings bleibt diese Belastung bis 1.800 Euro konstant und beträgt darüber nur knapp 16 Prozent des Einkommens, sofern der Gründer sich nicht ohnehin privat kranken- und pflegeversichert. Die Differenz sollte der Gründer unbedingt in eine private Altersvorsorge investieren (Fonds, Lebensversicherungen etc.).

Schließlich gibt es besondere Situationen, in denen vielleicht nur eine Alternative in Frage kommt:


  • Sie wollen sich selbstständig machen, müssen dazu aber selbst kündigen oder einen Aufhebungsvertrag schließen? Wenn Sie sich nahtlos selbstständig machen, können Sie ohne Verhängung einer Sperrzeit Überbrückungsgeld erhalten. Diese Option steht Ihnen nur beim Überbrückungsgeld offen, nicht aber bei der Ich-AG.

  • Obwohl Sie gut qualifiziert sind, können Sie in der herrschenden Arbeitsmarktsituation keine Stelle finden. Es droht Ihnen nun das Abrutschen in das Arbeitslosengeld II und Sie sehen eine selbstständige Tätigkeit als einzigen Ausweg. Wenn Sie nicht über die finanziellen Reserven verfügen, um die Anlaufphase zu bewältigen, kommt die Ich-AG aus Liquiditätsgründen nicht für Sie in Betracht.

Zum Schluss noch ein wichtiger Rat:

  • Vermeiden Sie den folgenschweren Fehler, die Ich-AG nur deshalb zu wählen, weil Sie sich damit den Aufwand sparen, einen Businessplan zu erstellen. Wenn Ihr Vorhaben halbwegs ernsthaft ist, sollten Sie dafür auf jeden Fall einen - zumindest rudimentären - Businessplan schreiben und diesen auch mit einem Experten besprechen. Die Erfolgschancen Ihrer Gründung werden dadurch deutlich steigen.

  • Besuchen Sie mich auf www.ueberbrueckungsgeld.de und nutzen Sie die Hilfen, die wir dort zu den Themen Förderung und Businessplan-Erstellung anbieten.