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Was passiert mit Immobilien?

Geschrieben am Sonntag, den 14. August 2005 um 13:37 Uhr

Selbstgenutztes Wohneigentum
Selbstgenutztes Wohneigentum zählt nicht als anrechenbares Vermögen, wenn es angemessen ist.

Einer angemessenen Größe entspricht


Sind die Größe oder Kosten (Heizkosten, Unterhalt, usw.) vom Wohnhaus unangemessen, prüft die Bundesagentur für Arbeit, ob die Immobilie geteilt, teilweise vermietet oder veräußert werden kann. Die dann erzielbaren Miet- bzw. Verkaufserlöse müssen zum Lebensunterhalt verwendet werden und werden ggf. mit dem ALG II verrechnet.

Wichtig: Da die Veräußerung von selbst genutztem Wohneigentum nicht selten als unwirtschaftlich gesehen wird (d.h. Verkaufserlös liegt mehr als 10 % unter dem Verkehrswert), ist das Eigentum einer Immobilie gegenüber anderen Vermögensformen privilegiert!

Der Staat trägt die angemessenen Kosten für das selbstgenutzte Eigenheim (z.B. Schuldzinsen für Hypotheken, Grundsteuer, Wohngebäudeversicherung, Erbbauzins, Nebenkosten wie bei Mietwohnungen).

Bei der Prüfung der „Angemessenheit der Kosten“ für die Unterkunft richtet man sich nach den m²-Zahlen einer Wohnung bzw. eines Hauses.


Der Staat trägt übernimmt Zinsraten fürs Eigentum, aber keine Tilgungsraten, da diese dem Vermögensaufbau dienen!

Wie wird das Wohneigentum behandelt, wenn es vererbt wird?

Der Schutz des selbstgenutzten Eigenheims hat hier einen Haken: Die Erben eines Arbeitslosen müssen das ALG II der letzten 10 Jahre bis zur Höhe des Nachlasses zurückzahlen, wenn der Arbeitslose insgesamt mehr als 1700 Euro erhalten hat. Die Rückzahlung könnte somit ein geerbtes Häuschen auffressen.
Erbt ein Lebenspartner oder Verwandte die mit dem Arbeitslosen gewohnt und bis zu seinem Tod gepflegt haben, so können diese 15.500 Euro ohne Abzüge behalten.

Vermietetes Wohneigentum
Die Mieteinnahmen zählen zu den laufenden Einkünften und das Wohneigentum mit seinem Verkehrswert zum anrechenbaren Vermögen. Sollten die Mieteinnahmen nicht zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ausreichen, und der ALG II-Antragsteller/ Bedarfsgemeinschaft liegt mit dem Wert seines/ihres Vermögens einschließlich dem Wert der Immobilie über den Freibeträgen, so muss die Immobilie vor Bezug des ALG II verkauft werden.

Wichtig: Falls kein angemessener Preis erzielt werden würde (d.h. Erlös liegt mehr als 10 % unter dem Verkehrswert), wird das ALG II ggf. zunächst als Darlehen gewährt und mit der Immobilie gesichert. Der Verkauf der Immobilie erfolgt dann ggf. zu einem späteren Zeitpunkt.

Tipp: Sollte der ALG II-Antragsteller oder die Bedarfsgemeinschaft selbst zur Miete wohnen, aber eine vermietete Immobilie besitzen, so sollte er u. U. seine vermietete zu Gunsten der selbstgenutzten unbedingt tauschen!

Ferienwohnungen/ Alterswohnsitz
Selbstgenutzte Ferienwohnungen zählen zum anrechenbaren Vermögen, da sie nicht der dauerhaften Nutzung unterliegen. Sofern der ALG II-Antragsteller oder die Bedarfsgemeinschaft mit seinem/ihrem Vermögen einschließlich dem Wert der Ferienimmobilie über den Freibeträgen liegt, muss diese verkauft werden. Bewertet wird sie ebenfalls wie vermietete Objekte zum Verkehrswert. Auch hier gilt: Sollte kein angemessener Preis erzielt werden, dann erfolgt die Veräußerung zu einem späteren Zeitpunkt. Ggf. wird das ALG II vorübergehend als Darlehen gewährt.

Wichtig: Die Bewertung der Immobilien ist zunächst Sache des ALG II-Antragstellers, d.h. dieser muss den Verkehrswert der Immobilie angeben. Wenn die Bundesagentur für Arbeit diesen als zu niedrig anzweifelt, dann muss sie – auf eigene Kosten – selbst eine Wertschätzung in die Wege leiten!