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Schönkirchen – "Was ist das denn? Das habe ich ja noch nie gesehen", meinte die Kassiererin im Supermarkt und musterte erstaunt das Papier mit dem Aufdruck: Wertgutschein Deutschland, "damit wollen Sie bezahlen?" Als sie aufsah, sah sie wie der Kundin vor Scham die Tränen übers Gesicht liefen. Eine Szene aus der Serie: Was man als Hartz-IV-Empfänger ertragen muss, ohne selbst etwas falsch gemacht zu haben. Es ist eine ganz normale Familiengeschichte aus Schleswig-Holstein. Ein Elektriker arbeitet sich hoch zum Elektroniker und wird – mit vielen Kollegen – nach 43 Jahren Arbeit entlassen: Die Firma Hagenuk muss Insolvenz anmelden...
Doch mit über 55 Jahren hat der Mann keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt. Auch seine Frau findet – nach langer Pause für die Kindererziehung – keinen Arbeitplatz mehr in ihrem Beruf als Logopädin. Als sich im vergangenen Jahr abzeichnet, dass das Ehepaar zu ALG-II-Empfängern (Hartz IV) wird, versuchen sie zunächst das kleine Haus im Kreis Plön zu verkaufen. Doch selbst Makler finden keinen Käufer. Weil der Abtrag für das Haus zudem nur noch gering ist, darf das Paar mit seinem Sohn mit Genehmigung der ARGE im Haus wohnen bleiben. "Damit es finanziell nicht so eng ist, haben wir uns von uns aus auf Suche nach Ein-Euro-Jobs gemacht und auch welche gefunden. Und wir suchen natürlich weiter nach regulären Arbeitsverhältnissen", erzählt die 51-jährige Frau. Im Februar kam der aktuelle Bewilligungsbescheid von der ARGE in Plön: Bis September sollte die dreiköpfige Familie 1245 Euro monatlich erhalten. Doch im Mai blieb das Geld ohne Vorwarnung aus. Der Mann wandte sich an seine "persönliche Ansprechpartnerin" in Heikendorf. "Ich habe gefragt, ob wir etwas falsch gemacht haben oder etwas fehlt. Sie sagte nein. Sie verstehe auch nicht, warum kein Geld da sei. Das müsse wohl von der ARGE in Plön neu angewiesen werden, laufe aber über die Arbeitsagentur in Nürnberg und dauere zehn Tage." Eine Lösung, wie die Familie diese Frist finanziell überbrücken kann, wurde nicht geboten. "Doch von unserem Konto gingen ja schon die Mai-Abbuchungen ab, wir waren im Minus, die ersten Zinsen liefen auf", sagt der Mann und wollte von der ARGE in Plön erfahren, wo der Fehler lag und wie er wenigstens an Geld für Lebensmittel kommen könne. Doch telefonisch war niemand zu erreichen: Laut Telekom-Auskunft gibt es weder eine ARGE noch ein Jobcenter. Und bei der Arbeitsagentur (früher: Arbeitsamt) bittet eine telefonische Ansage, bei "Fragen rund um das Thema ALG II – auch als Hartz IV bekannt – wählen Sie bitte die Zwei". Doch wer diese Nummer drückt, erfährt nach einigem Warten, dass dort leider keine Auskunft mehr zu ALG-II-Fragen gegeben werden kann.
So nahm sich der Mann am 3. Mai von seinem Ein-Euro-Job frei und reiste nach Plön. "Ich hatte zwar die Adresse von der ARGE, wurde aber vom Pförtner gestoppt. Es könne niemand Auskunft geben, weil es sich um Sachbearbeiter und nicht um Kundenberater handele. Also reiste ich unverrichteter Dinge zurück." Am nächsten Tag in der Mittagspause also wieder zur "persönlichen Ansprechpartnerin" nach Heikendorf: Dort erfährt er auf Nachfrage, dass er wenn er Kontoauszüge vorlege und wirklich nichts mehr auf dem Konto sei, Wertgutscheine bekommen könne. So erhält er am 5. Mai Wertgutscheine über 50 Euro, die man nur in bestimmten Geschäften einlösen kann. Grundsätzlich können in solchen Fällen auch Barschecks ausgestellt werden, bestätigt man bei der ARGE in Plön unserer Zeitung. Warum dies der Familie nicht angeboten wurde, kann man nicht beantworten. "Vielleicht, weil das ein bis zwei Tage dauert", sagt der Zuständige in Plön, will sich aber aus Datenschutzgründen nicht näher äußern. Er empfiehlt der Familie eine Beschwerde. Das hilft jener im Moment aber auch nicht aus der Misere. "Von ALG-II abhängig zu sein, ist nicht leicht", sagt die Frau, "aber wenn man dann ohne eigene Schuld mit diesen Wertmarken einkaufen muss und sich jedes Mal erklären muss, dann ist das entsetzlich entwürdigend und demütigend." Von Heike Stüben Quelle: http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1858018 Diskutiere diesen Artikel in einem Forum. (0 Beiträge) Anzahl der Kommentare (0) - Diesen Artikel Kommentieren ... |