| Was kommt nach dem Ein-Euro-Job? |
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| Geschrieben von Christian Häussler | |
| 16.11.2005 | |
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Agentur für Arbeit liegen keine Zahlen vor / Knapp eine halbe Million Billiglöhner Wenn ein Ein-Euro-Job endet, stehen viele Arbeitslose vor dem gleichen Problem wie vorher: Sie finden keine Arbeit. Wie viele Menschen daher wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen werden oder wie viele den Ein-Euro-Job vorzeitig abbrechen, weiß anscheinend niemand. Die so genannten Ein-Euro-Jobs sind eines der Hauptinstrumente der Arbeitsgemeinschaften (ARGE). Fast eine halbe Million Arbeitslosengeld-II-Empfänger haben die Behörden bundesweit seit Jahresbeginn für drei bis zwölf Monate in solche Jobs vermittelt. Das Problem: Den meisten Betroffenen fehlt die Anschlussperspektive. Wie viele Ein-Euro-Jobber anschließend in die Arbeitslosigkeit zurückkehren, erfassen die Ämter nicht. Ayse Ürun (Name von der Redaktion geändert) ist bis vor kurzem einem interessanten Job nachgegangen: Die 40-jährige allein erziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter arbeitete im Büro eines Hamburger Stadtteilkulturzentrums mit. Die gelernte Bürokauffrau, seit dem Jahr 2001 arbeitslos, erledigte dort nicht nur ihr vertraute kaufmännische, sondern »auch ganz neue Aufgaben, etwa Pressearbeit oder Marketing«. Ende September war Schluss mit dem Ein-Euro-Job und Ayse Ürun hatte ein Problem Doch Ende September war Schluss mit dem von der örtlichen ARGE geförderten Ein-Euro-Job, und Ayse Ürun hatte ein Problem: »Ich hätte dort gerne weitergearbeitet, doch es geht nicht.« Der Kulturverein, berichtet sie, hat kein Geld, um einen Arbeitsplatz zu finanzieren. »Die leben von Spenden.« Die ARGE wollte auch nicht mehr zahlen. So gut hat es der Langzeitarbeitslosen im Kulturzentrum gefallen, dass sie auch auf 400-Euro-Basis weitergearbeitet und die unbezahlten Stunden als »Praktikum« deklariert hätte. »Das hat mein Vermittler bei der ARGE aber abgelehnt.« 11.000 Arbeitslosengeld-II-Empfänger haben nach Angaben der örtlichen ARGE in Hamburg seit Jahresbeginn einen Ein-Euro-Job angenommen. Bundesweit waren es bis Ende Oktober nach den Zählungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) 461.900 Langzeitarbeitslose. Zurzeit befinden sich 263.500 Hilfeempfänger in Ein-Euro-Jobs, so die Angaben der BA. Was aus den Menschen nach deren drei- bis zehnmonatiger Dauer wird, weiß offenbar niemand.Es werde nicht erfasst, wie vielen Ein-Euro-Jobbern der Sprung in den ersten Arbeitsmarkt gelinge, sagt der Hamburger ARGE-Sprecher Uwe Ihnen. Integrationszahlen lägen erst in sechs Monaten vor, wenn die Rentenversicherungsträger aktuelle Daten zum Abgleich übermittelten. Ebenfalls nicht bekannt sei, wie viele Hilfeempfänger die Ein-Euro-Jobs vorzeitig abgebrochen hätten. 15 Prozent der Ein-Euro-Jobber sollen eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden haben oder mindestens eine Umschulung mit Perspektive, lautet die Vorgabe der Hamburger ARGE. »Diese Quote werden wir auf jeden Fall erreichen«, sagt Manfred Meyer, Betriebsleiter bei der Vermittlungsfirma afg Personal, die 430 Ein-Euro-Jobber in der Hansestadt betreut. Kommissionierer oder Gabelstapler-Fahrer, Sicherheitsdienst, Zimmerservice, Zugbegleiter oder Küchenhilfe: Solche Jobs gebe es immer mal wieder auch für Langzeitarbeitslose, sagt Meyer. Eine große Rolle spiele die Zeitarbeit. Der Verdienst aber sei eher gering. »Zwölf Euro Stundenlohn sind schon viel.« Bei weitem nicht für jeden Hilfeempfänger sei ein Ein-Euro-Job sinnvoll, sagt Meyer. »Für Menschen, die sozial völlig destabilisiert sind, sind zehn Monate einfach zu wenig.« Zudem gebe es für einen Teil der Arbeitslosengeld-II-Empfänger keine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt - auch wenn die Konjunktur irgendwann anspringe. Jene etwa, die »deutlich zu alt sind oder dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt«. Für sie müssten längerfristige subventionierte Arbeitsverhältnisse geschaffen werden. Ayse Ürun hat die vergangenen Wochen ehrenamtlich für den Kulturverein weitergearbeitet. Ihre Bewerbungen für eine Stelle blieben bislang ohne Erfolg, doch die Langzeitarbeitslose wird bald eine achtwöchige Computerschulung beginnen. Nach einigem Hin und her und einer nachdrücklichen Intervention der Geschäftsführerin des Kulturvereins hat die ARGE diese Fortbildung bewilligt. Was dann kommt, ist ungewiss. Ayse Ürun will Anfang Januar wieder zum Amt gehen. Der Vermittler wolle dann schauen, ob es Arbeit für sie gebe. Viel Hoffnung hat sie allerdings nicht. |
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