Der Sumpf ist eigentlich noch viel schlimmer als allgemein bekannt. Ich habe über Monate als 1 Euro Jobber bei einer Stadtverwaltung für das bundesweite Projekt 'Doppik' gearbeitet. Bin für 22 cent pro Kilometer mit meinem eigenen Fahrzeug zu den Ortsteilen gefahren und habe dort die im Besitz der Stadt gehörenden Straßen- und Gehwegflächen aufgemessen. Als Gehilfen wurden mir Praktikanten der Fachoberschule zugeteilt, die während Ihres Pratikums 90 Euro je Monat bekamen.
Doppik ist ein Gesetz und muss größtenteils bis im Jahre 2009/2010 realisiert sein. Die ganzen Arbeiten sind erforderlich zur Erstellung einer Eröffnungsbilanz. Die Städte und Gemeinden müssen weg von Ihrem Kameralsystem und hin zur doppischen Anwendung.
Ein weiteres Übel, dass ich 2005/2006 kennen lernte während einer Maßnahme der BfA, heute DRV-Bund, ist noch unerträglicher. Mein damaliger 'Chef' baute Fertighäuser und führte Dachdeckerarbeiten aus. Die Arbeitskräfte, gelernte arbeitslose Dachdecker, wurden von verschiedenen Arbeitsämtern als Praktikanten angefordert und für 14 Tage bzw. 4 Wochen zum 'Testen ihrer Arbeitsqualifikation' mittels Bus zu einer großen Baustelle transportiert. Mit Excel wurde eine Tabelle erstellt und wenn die Zeit der Praktikanten abgelaufen war, wurde neues 'Menschenmaterial' angefordert. Die beteiligten Menschen wußten eigentlich von Anfang an, dass sie nicht übernommen wurden. Aber sie hatten keine Wahl, weil ansonsten Kürzungen von Seiten des Arbeitsamtes angestanden hätten.
Es ist ein Witz und blanke Ironie, dass Arbeitslose in Ihrer Not, die Wirtschaft aufrecht halten. Der Unternehmer hat mächtig profitiert, weil er monatelang für diese Baustelle keine Lohnkosten für Dachdeckerpersonal zahlen mußte. Es waren bis zu 7 Leute, die täglich mit einem Meister mittels eines Busses ca. 150 km weiter entfernt zum 'Praktikum' geschafft wurden.
Weit verbreitet ist außerdem der Irrtum, dass das Hartz IV-Geld komplett zum Leben ist. Das Fehlbeträge bei der Miete (für 216 € bekommt niemand 50 m² Wohnung gemietet)davon getragen werden müssn, Fehlbeträge beim immer teurer werdenden Strom, Fehlbeträge überhaupt bei der Energieversorgung, dass wird geflissentlich übersehen. Als Allenlebender ist man auf die Hilfe und die Almosen anderer Mitmenschen angewiesen. Usus ist, dass man auf eine 'Tafel für Notleidende' angewiesen ist, die zwei Mal pro Woche gegen sehr geringes Entgelt Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Ohne diese Lebensmittel und ohne diese Menschen, die diese 'Tafeln' organisieren, wäre die Selbstmordrate unter Hartz IV Empfängern noch höher.
Scham und Schande über die Häupter der Politiker, die sich Ihre Diäten im November 2007 um 9% erhöht haben.