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Zeitungsartikel zum BGE und eventuell Leserbriefe
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Politisches
Zum Ende gehenSeite: 123
THEMA: Zeitungsartikel zum BGE und eventuell Leserbriefe
#12369
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 10 Monaten Karma: 0
15.12.2006: Müller macht uns richtig krank!


www.jungewelt.de

»Das macht mich richtig krank«


Das bedingungslose Grundeinkommen ist aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht finanzierbar. Ein Gespräch mit Albrecht Müller

Albrecht Müller ist Mitherausgeber und Redakteur der NachDenkSeiten (www.nachdenkseiten.de) sowie Autor mehrerer Bücher. Zuletzt ist von ihm erschienen: »Machtwahn – Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet«. Müller war u. a. Planungschef im Kanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt.


Man kann auch einen Leserbrief schreiben. Dazu nur unter die entsprechende Funktion betätigen. Dann erscheint eine Eingabemaske...


Leserbrief

Die jüngste Attacke des Herrn Müller gegen die dummen BGE-Linken, die den edlen Mann krank machen, kann man nicht so auf sich sitzen lassen. Schon die salbungsvolle Einleitung, die Köhler, Merkel und Co nicht besser hinbekämen, ist wohl ein Scherz:

> Ich habe großes Verständnis dafür, daß
> Menschen, die das Arbeitslosengeld II
> beziehen und den Drangsalierungen von
> Jobcentern ausgesetzt sind, nach
> Lösungen suchen.

Noch ein Gutverdiener der Mitleid mit den "Armen, Schwachen und Bedürftigen" hat und der uns versteht! Das Verständnis war schon immer umso größer je billiger es war. Und weiter heißt es in dem Wort zum Sonntag:

> Für diese Menschen ist der Vorschlag von
> Althaus ein Strohhalm, nach dem viele in
> ihrer Not greifen.

Also die Zementierung der "Bedürftigen", als Menschen, die sich nicht selbst helfen können. So hätten es die Merkels, Münteferings, Müllers, Roths und wie sie alle heißen, gerne. Menschen, die in ihrer Not nach Strohhalmen greifen. Andere Fähigkeiten werden uns nicht mehr zugetraut. Abgeschrieben auch von den "Denkern" der "Denkseiten".

Bei solchen verständnisvollen Wohltätern ist auch klar, daß sie im Mittelpunkt der Welt stehen. So lesen wir zum Thema "Finanzierung":

> Ich bin gespannt darauf (auf die
> Berechnungen der KAS), denn nach
> meinen Berechnungen ist der Vorschlag
> leider nicht finanzierbar.

Unser weiteres Schicksal hängt demnach von den Berechnungen dieses einen edlen Mannes ab. Für 11 Mio (oder 13 Mio) "Arme, Schwache und Bedürftige" hat er die Sache also großzügig ausgerechnet und weiß nun: Pech ihr vielen Armen, es geht leider nicht! Auf den Gedanken, daß es unter diesen 11 Mio Menschen, die in der Regel auch schon rechnen, lesen und schreiben können, zunehmend mehr Bürger gibt, die eigene Berechnungen anstellen, kommt dieser in sich selbst Verliebte nicht. Das Mißtrauen in seine Berechnungen macht ihn jetzt ganz krank!

Das zweite Argument ist nicht minder borniert:

> Zweitens ist ungeklärt, wie das zu der
> Freizügigkeit im kommenden Europa
> passen soll. Alle zu uns Kommenden
> bekommen 800 Euro?

Die Drangsalierung von 11 Mio Bürgern, das bedingte Grundeinkommen namens Hartz4, die Massenschikanen und Kontrollen bis in die Betten hinein all das ist notwendig, damit von draußen niemand kommt. Völker hört die Signale! Gestalten wir den Horror in Deutschland so, daß auch dem letzten Afrikaner speiübel wird, sobald von Deutschland nur die Rede ist!

Das Dümmste aller Argumente dürfte aber sein:

> Drittens ist unklar, wie entschieden wird,
> wer noch arbeiten soll. Wer soll morgens
> um sechs zu Daimler ans Band?

Genauso haben im vorvorherigen Jahrhundert die Fabrikbesitzer gejammert, als man Kinderarbeit abschaffen wollte. Wir Linken und wir Marxisten müssen dafür sorgen, daß Daimler Menschen hat, die dort kräftig schuften. Das ist unsere heiligste Aufgabe!
Ganz unabhängig von diesen neuen "linken" Sorgen ist jetzt unklar, warum es bei einem Grundeinkommen niemanden morgens an die Bänder von Daimler treiben soll. Die meisten Menschen gehen arbeiten um Geld für ihren Konsum zu verdienen. Das BGE stellt nur die nackte Existenz sicher. Es hängt von den angebotenen Bedingungen ab, ob jemand arbeiten geht. Umsonst geht vermutlich niemand morgens um 6 ans Band von Daimler, außer vielleicht einige kranke "Linke".

Nun die Argumente sind recht mager. Müller bzw der Interviewer kennen auch nur den Althaus-Vorschlag und das Werner-Modell. Wir wollen auf das Mehrwertsteuer-Modell nicht eingehen. Es ist interessant, wie krampfhaft, ja nahezu verzweifelt nach Argumenten gegen das BGE gesucht wird. Schon dadurch widerlegt man sich selbst, outet sich als bloßer Nörgler.

Die Aufzählung all der vielen Arbeiten die noch getan werden können, an erster Stelle die Renovierung der deutsche Kanalisation, darf hier nicht fehlen. Abgesehen davon, daß all das ja auch auf Grundlage eines BGE getan werden kann, und vermutlich sogar getan wird, statt ewig davon zu "träumen", wird da voll aus dem hohlen Bauch geredet, ohne auch einmal einen Blick in eine Erwerbstätigenstatistik zu werfen. Plattheiten ohne Ende, wie: Auch wenn Roboter verwendet werden, werden "Lohnarbeiter" gebraucht, die sie bedienen. Was soll das? Die Frage ist nicht ob, sondern wieviele!

Und nicht jede Arbeit, die uns "Lohn und Brot" schenkt, ist wirklich nützlich, manches ist eher schädlich. Dies kann man an der Rüstungsindustrie sehr gut erkennen, wobei hier noch das zusätzliche Phänomen mit dem Ei und der Henne in Erscheinung tritt: gibt es den Irakkrieg, weil so viele Millionen "gute Bürger" in oft lukrativen Berufen der Rüstungsindustrie tätig sind, oder ist es doch umgekehrt: Kriege sind notwendig und daher haben so viele Menschen das große Glück erwerbstätig zu sein?

Schaut man sich die realen Tätigkeiten der 39 Mio "Erwerbstätigen" (von 82 Mio Bürgern insgesamt) genauer an, so sind mittlerweile mehr Menschen mit der Verteilung von "Waren", der Organisation der Warenproduktion und der Sicherung des Ganzen beschäftigt, als mit der eigentlichen Warenproduktion selbst. Betrachten wir allein nur die boom-Branchen im Telekommunikationsbereich. Anscheinend zahlen wir doch hauptsächlich nur Leute, die dasitzen und genau erfassen mit wem und wielange wir telefonieren, die dann die Gelder eintreiben und dabei auf steuerfinanziertes Gerichtspersonal zurückgreifen usw usf. Noch 50 Jahre weiter und wir sitzen -wegen dem demagogischen Faktor- wohl bis zum 80 Lebensjahr auf lukrativen Arbeitsplätzen in Banken und Versicherungen, während das, was wir für Geld gewöhnlich kaufen von Maschinen und Robotern unter Anleitung einiger weniger "Lohnarbeiter" hervorgebracht wird. Diese "Vision" kommt einem sofort, wenn man mal die Statistiken bemüht und natürlich nicht wenn man in einer Pinte sitzt und mit dem dicken Wurstfinger in einer Bierlache die Zukunft der Menschheit skizziert.

Kurzum der Ruf "Arbeit! Arbeit! Arbeit!" der seit 1982 als einzige Alternative zu der steigenden Produktivität und der seither andauernden Massenarbeitslosigkeit zu hören ist, führt so oder so in die Irre.

Nun, gewollt ist das Gegenteil von nicht gewollt, oder:

> Die Verarmung des Staates war politisch
> gewollt und gemacht. Also ließe sie sich
> auch korrigieren, wenn man wollte.

Nichts ist dümmer, als gesellschaftliche Phänomene für von bösen Mächten gewollt hinzustellen. In einer Demokratie, in der ansich ja das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürger gilt, jeder sich einmischen kann, führt dieser Irrglaube zwangsläufig zu Verschwörungstheorien aller Art.

Auch ohne Marx verstehen viele Menschen, daß hier nicht der Wille böser Menschen vorliegt, sondern profane ökonomische Umstände, z.B. der, daß im europäischen Binnenmarkt 25 Sozial- und vor allem Steuersysteme miteinander konkurrieren und zwar so, daß die Gesamtsumme aller europäischen Staatseinnahmen immer kleiner wird. Das hat schon Lafontane, als er noch gesund war, 1998 gepredigt. Aus diesem Dilemma hilft kein "patriotisches" Jammern und Picheln, sondern nur noch europäisches oder gar globales Hämmern und Sicheln! Wie wäre es neben dem EU-Parlament noch mit einem EU-Finanzamt, vielleicht hilft das ja weiter?



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#12376
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 10 Monaten Karma: 0
Über die Veranstaltung mit Götz Werner am 14.12.2006 in Bochum


->Aus den Ruhr Nachrichten


Bochum
Ein ungewöhnlicher Konzernchef

Bochum - Massenhaft nach oben schnellten die Hände bei der Frage, wer das Internet für Bankgeschäfte nutzt. "Alles Arbeitsplatzvernichter", konterte Prof. Götz W. Werner und ließ die Gesichtszüge ungezählter Besucher im voll besetzten Schauspielhaus erstarren.

Nicht nur in diesem Moment "überraschte" der Geschäftsführer und Gründer der dm-Märkte die rd. 1000 Menschen, die einer Einladung der GLS-Bank gefolgt waren. Ob Steuerfragen, Rolle der Frau ("Die meisten Männer haben einen anderen Arbeitsbegriff. Deshalb gibt es so viele Machos") oder Anreizsysteme in Unternehmen ("Die Firmen funktionieren nicht deshalb, sondern trotzdem"): Götz W. Werner, einer der reichsten Männer Deutschlands, bediente so ganz und gar nicht das weit verbreitete Klischee von Konzernchefs. Im Gegenteil.

Der Referent prangerte in seinem immer wieder von Beifall begleitetem Vortrag einerseits die vornehmlich auf "Druck" basierende Mitarbeiterführung an und machte sich auf der anderen Seite stark für ein "bedingsloses Grundeinkommen" von rd. 1500 Euro. "Wir sind in der absoluten Fremdverantwortungs-Gesellschaft angekommen", fordert Götz W. Werner ein radikales "Umsteuern". Allerdings Schritt für Schritt.

Den Schlüssel sieht er in einem Steuersystem, das sich an den völlig veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen orientiert. Bis auf eine viel höhere Mehrwertsteuer sollten daher alle anderen Steuern abgeschafft werden. "Das macht die Arbeit billiger. Wir haben keine Steuerflucht mehr, keine Spesenritter und keine Schwarzarbeit."

Freiräume

In Verbindung mit dem bedingslosen Grundeinkommen würden Freiräume entstehen, die sich positiv auf Bildung oder die Betreuung alter und kranker Menschen auswirken würden. Und mit Blick auf mögliche Kritiker fügte er gleich an: "Wer sich dann in der Hängematte ausruht, macht es heute schon."

Am Ende hatte Götz W. Werner sein beim Einstieg formulierte Ziel sicher beim Großteil der Besucher erreicht: Dass sie mehr als einmal nachdenken über sich ("Viele haben zwei Menschenbilder, eines für sich, eines für alle anderen Menschen"), über den Wert von Arbeit und eine gesellschaftliche Gerechtigkeit. - thas
15. Dezember 2006 | Quelle: Quelle: Ruhr Nachrichten



GLS Bank - eine Alternative für Ihr Geld
Geld für soziale, ökologische und kulturelle Projekte

www.gls.de


Die GLS Bank verbindet langjährige Erfahrung im Bankgeschäft mit einem verantwortungs-bewussten Umgang mit Geld. Wir finanzieren ökologische, soziale und kulturelle Initiativen und bürgerschaftliches Engagement.

(...)
Die GLS Bank ist die erste ethisch-ökologische Bank in Deutschland. Sie wurde 1974 als Genossenschaftsbank gegründet und übernahm 2003 die Geschäfte der Ökobank. Rund 50.000 Kundinnen und Kunden arbeiten mit uns zusammen. Die GLS Bank finanziert rund 4.000 zukunftsweisende Projekte.


Götz Werner ist Professor für Entrepreneurship an der TU Karlsruhe, Gründer und Geschäftsführer der Firma dm-drogeriemarkt, Vorsitzender der Initiative "Unternimm die Zukunft" und Mitglied des Aufsichtsrates der GLS Gemeinschaftsbank eG.

Unternimm die Zukunft
forum.unternimm-die-zukunft.de



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#12383
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 10 Monaten Karma: 0
19.12.2006 Bürgergeld statt Sozialleistungen

Böblingen: Diskussion in der katholischen Betriebsseelsorge mit Dr. Ulrich Noll (FDP)
www.szbz.de



Da saßen Arbeitssuchende neben Managern, gestandene Sozialdemokraten neben Sympathisanten der Grünen, Liberale wie Dr. Ulrich Noll, FDP-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag, an einem Tisch mit WASG-lern. Kein Wunder, denn das Thema "Bürgergeld/Grundsicherung/Grundeinkommen" interessiert über Parteigrenzen hinweg alle, die sich mit einer Reform des Sozialstaats beschäftigten.
(...)

Gegenleistung ist im KAB-Modell eine feste Bedingung: die Auszahlung des Bürgergelds ist an 20 Stunden Familienarbeit oder gemeinnützige Dienste pro Woche geknüpft. Diese werden durch bestehende Ämter, soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände organisiert und auch kontrolliert. So erhält jeder Bürger eine Aufgabe und zugleich ein Existenzminimum ohne komplizierte Antragstellung.

Weitere Informationen zu allen Bürgergeld-Modellen auf den Internetseiten der Kath. Betriebsseelsorge Böblingen unter "Wir kommentieren - Bürgergeld pro und contra"
www.kirchebb.de



Man kann auch einen Leserbrief schreiben:


Bürgergeld statt Sozialleistungen

Es ist erstaunlich wie wenig bei diesen Diskussionen profane Statistiken herangezogen werden.
In der Realität sind von 82 Mio Bürgern zwischen 35-39 Mio erwerbstätig. Rechnet man Kinder (bis 18 ) und Greise (ab 65) ab, verbleiben immerhin 50 Mio Menschen, die im erwerbsfähigen Alter sind. Demnach hätten wir 10-15 Mio nicht Erwerbstätige die bei dem liberalen Bürgergeld nun zwar ein Bürgergeld erhalten, aber nur, wenn sie nachweisen, daß sie es "verdient" haben. Bekanntlich ist das bei "Arbeit" so, daß man jetzt Monat für Monat kontrollieren muß, ob jemand seiner liberalen Arbeitspflicht nachkommt, und wenn nicht, ob er krank war oder was auch immer ihn hinderte. Wir leben in einem Rechtsstaat, nach Gutdünken wird man den Leuten nicht einfach das liberale Bürgergeld kürzen oder entziehen können.
Am Ende befassen sich die "gemeinnützigen" Vereine, Organisationen und Kommunen hauptsächlich damit zu prüfen und zu kontrollieren, ob wer und wann gemeinnützig tätig ist.
Dazu kommt, daß diejenigen, denen man das Bürgergeld wegen Arbeitsverweigerung entzieht dann wohlmöglich als Obdachlose von den "anständigen" Bürgern gemeinnützig betreut werden. Das ist doch einfach nicht normal.

Heute im Jahre 2006 sind 10-15 Mio (im Alter von 18-65) nicht erwerbstätig. Ob und was die Leute tun weiß man nicht. Einige sind vielleicht ehrenamtlich tätig, andere studieren (und jobben nebenbei) oder gucken Fernsehen, wieder andere arbeiten schwarz usw.
Würde man den Leuten das Bürgergeld bedingungslos geben, kann es eigentlich ja gar nicht schlimmer werden, als es schon ist, sondern doch eher besser. Die gemeinnützigen Vereine, Kommunen usw, können sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren und dabei auf Leute zurückgreifen, die freiwillig mitmachen. Reicht das denn nicht?

Ferner gibt es unter den 10-15 Mio heute nicht erwerbstätigen, solche, die ja dann vielleicht auf freiwilliger Basis -eben aus Interesse- kleine Firmen oder auch "alternative" Betriebe und Projekte aufbauen.

Die Selbstständigen (offiziell 4 Mio) werden ebenfalls unterschlagen. Die passen nicht ins Konzept: wer kontrolliert, ob ein Schriftsteller wirklich durchgängig dichtet oder ein Trödler tatsächlich immer trödelt? Das muß man aber kontrollieren, denn sonst wird jeder, nur um sicher zu gehen, frei nach Beuys ein Künstler.

Schließlich wird sich die Erwerbstätigkeit, die Gemeinnützigkeit und die Selbstständigkeit vermischen, wie es ja heute schon der Fall ist. So sind viele "Erwerbstätige" neben ihrem Job auch gemeinnützig tätig, während Schriftsteller oder Trödler nebenbei jobben.

Und unter den über 65 Jährigen sind ja ebenfalls Menschen erwerbstätig, gemeinnützig tätig oder selbstständig. Dasselbe trifft auch auf die Jugendlichen zu.

Das lebendige Leben ist schon viel weiter, als es in so manchen Köpfen spukt.

mit freundlichen Grüßen
(...)



sonnige Mittaggrüße aus Kreuzberg
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#12396
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 10 Monaten Karma: 0
15.12.2006: Faszinierende Botschaften

Wenn Ahungslose das BGE dufte finden!

www.freitag.de

Wolfgang Ratzel

Faszinierende Botschaften
GöTZ WERNERS MODELL EINES GRUNDEINKOMMENSAlle gewinnen, die Unternehmer, die Lohnarbeiter, der Mittelstand und die ausgeschlossenen Unterschichten - nur die Fähigkeit zur tätigen Freiheit wird maßlos überschätzt




Vor 40 Jahren, als die "Große Proletarische Kulturrevolution" den östlich-chinesischen Horizont rötete, erschienen am westlich-amerikanischen Himmel die ersten Vorboten einer wahrhaft "Großen Bürgerlichen Kulturrevolution", die das Einkommen von der Arbeit abzukoppeln versprach. Während Maos Nachfahren heute ihre Landsleute unter elenden Arbeitsdingungen zu Hungerlöhnen schuften lassen, geht im Westen die Saat der bürgerlichen Utopie langsam auf. Selbst abendländische Bourgeois wie Götz Werner wollen "ihrem" Proletariat ein grundgesichertes Dasein bieten.
(...)


Ein saudummer Artikel! Man kann eine mail an die Redaktion oder den Autor schicken:
redaktion@freitag.de
selbstbehauptung@arcor.de


Wenn Ahnungslose das BGE dufte finden!

Es ist schade, daß solche eigentlich ideologiefreien Themen wie das BGE zum brauen dümmlicher Süppchen mißbraucht wird.
Wozu macht sich Wolfgang Ratzel z.B. über die Chinesen lustig? China war vor 40 Jahren gerade mal aus einer feudalen Struktur erwacht und hatte in einem jahrzehnte andauernden Krieg endlich Frieden. Die Ökonomie war auf niedrigster Stufe, die Menschen nicht oder kaum ausgebildet usw.
Was soll dieser affige Vergleich mit den USA, einer Gesellschaft die sich klassenfrei aus emigrierten oft fortschrittlichen Europäern entwickelte, in der es keine Kaiser, Adligen und keine kaiserlichen Armeen und Beamtenstrukturen gab.

Was hat dieser höhnische Vergleich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun?

Das Bedürfnis dieses BGE als Erfindung des "Kapitals" hinzustellen ist weit verbreitet. Viele "linke" BGE-Gegner benutzen diese billige Stratgie um Panik im eigenen Lager zu verbreiten: Was vom "Kapital" kommt, kann nichts Gutes sein. Zum Glück sind diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen nicht so dämlich, darauf hereinzufallen.

> Warum explodieren die Grundgesicherten
> nicht schon heute vor lauter Schaffenslust?

Das ist die dümmste aller Fragen. Arroganter gehts nimmer. Zum einen werden die heute schon "Schaffenden" zum Nulltarif diffamiert, zum andern hat der Herr Witzbold anscheinend noch nicht mitbekommen, daß der gigantische Schikane- und Kontrollapparat jede Eigeninitiative lähmt. Die Hartz4-Empfänger können nicht mal ihre Wohnung verlassen, weil ja eventuell so ein staatlich subventionierter Erziehungsberichtigter mal einen Kontrollanruf tätigt.

Einfach nur jämmerlich!

Interessant ist, daß allem Hohn und Spott zum Trotze, das BGE erhalten bleibt, halt nur für den Wald- und Wiesenspießer, der sich keine Welt ohne Gängelung anderer vorstellen kann, entsprechend aufbereitet:

> Mein Vorschlag: Statt "1.500 Euro
> bedingungslos für alle" sollten diese 1.500
> Euro - sozusagen als Mindestlohn - nur
> diejenigen erhalten, die freiwillig
> gemeinwohlorientiert arbeiten. Wer eine
> Orientierungsphase braucht oder sich nicht
> engagieren will, bekommt weniger,
> vielleicht 800 Euro. Die Differenz von 700
> Euro fließt in eine gesellschaftlich
> verwaltete Stiftung "Arbeit für Mitwelt und
> Umwelt", die Infrastruktur und Institutionen
> des Gemeinwohlbereichs finanziert.

Wenn man das positiv ausdrückt, heißt es: jeder bekommt 800 Euro bedingungsloses Grundeinkommen. Wer dann erwerbstätig ist verdient halt dazu und wer "sogar" stattdessen gemeinnützig tätig ist, kriegt noch mal 700 Euro zusätzlich. Der Staat zahlt dabei pro Bürger nicht nur die 800 Euro BGE sondern zusätzlich pro Bürger 700 Euro in eine große gesellschaftlich verwaltete Stiftung namens "Arbeit für Mitwelt und Umwelt".

Eine geniale Erfindung!

Also was soll dann das ganze schleimige Gerede über Chinesen, Götz Werner, den Mangel an fröhlich Schaffenden und die "doofe" Katja Kipping?

verwunderte Grüße
(...)



Kreuzberggrüße nach Mitternacht
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#12468
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 9 Monaten Karma: 0
29.12.2006, Iris Gleicke (SPD): Die bittere Erkenntnis aussprechen

www.spiegel.de


SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Iris Gleicke: "Auf die Nöte des Sozialstaats reagieren"

Berlin - Unter der Überschrift "Die Zeit drängt - Deutschland braucht einen dritten Arbeitsmarkt " hat die ostdeutsche Sozialdemokratin in 15 Punkten ihre Thesen formuliert

Leider nur üblicher Phrasensalat!

Die 15 Punkte enthalten nur die 100e Wiederholung der Beschreibung des Mißstands. Es ist ja schön, wenn nach 20 Jahren Massenarbeitslosigkeit und diversen vergeblichen Experimenten mit "Erwerbslosen" die Sozialdemokraten es jetzt auch allmählich raffen, daß Vollbeschäftigung in einem Nationalstaat, der in einem großen Binnenmarkt liegt, nicht zu erreichen ist.

Als Alternative zu der Misere werden uns nun wahrliche Kümmerlinge angeboten:


10.
(...)
Vorbilder im gemeinnützigen Bereich gibt es hierfür bereits, etwa das vor kurzem von Wolfgang Tiefensee initiierte Projekt im Leipziger Nahverkehr oder das Projekt in Bad Dürkheim, bei dem ALG II-Empfänger ihre Einkünfte deutlich - um rund 150 Euro - aufbessern können.
(...)

lool! In Straßenbahnen herumlungern und gucken, daß niemand randaliert! Das ist der Traumjob überhaupt!

Schließlich erfahren wir zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen":


13. Der dritte Arbeitsmarkt ist kein Allheilmittel. Aber er ist absehbar die einzige Möglichkeit, eine große Zahl von Menschen in eine sinnvolle (!) Beschäftigung zu bringen und ihnen damit ihre Würde zurückzugeben. Das unterscheidet ihn von der zutiefst reaktionären Idee eines als "Bürgergeld" verkleideten, mit großer und großzügiger Geste verteilten Almosens, das die derart "Beschenkten" dauerhaft von gerechter Teilhabe ausschlösse.


Sicher das "bedingungslose Grundeinkommen" ist reaktionär, sagt nicht Karl Marx schon: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen"?
Nur zu komisch, daß sich die BGE-Feinde nicht einigen können. Die einen sprechen von utopisch-unrealistisch, die anderen von zutiefst reaktionär. Professor Roth warnt im Sommer vor diesem neoliberalen Teufelswerk und im Winter vor sozialdemokratischer Illusionen.
Während uns Iris Gleicke sinnvolle Beschäftigung im Nahverkehr verspricht, wollen Albrecht Müller und Michael Schlecht die deutsche Kanalisation auf Vordermann bringen... Mir scheinen diese Spießer jetzt außer Rand und Band zu geraten.

Und sozialdemokratische Traditionen dürfen auch nicht fehlen:

14. Es war Lassalle, der feststelle, es bleibe die revolutionärste Tat, immer das laut zu sagen, was ist.

Demnach haben wir jetzt ein Land voller "Revolutionäre"!

Und wie lautet nun nach dem ganzen Wortschwall die geniale Erkenntnis?

Der Traum von der klassischen Vollbeschäftigung als Basis eines allgemeinen, für alle erreichbaren Wohlstands ist ausgeträumt.


Das ist nun nach 20 Jahren Massenarbeitslosigkeit eine wahrhaft revolutionäre Wirklichkeitserfassung. Dahinter steckt aber sicherlich nicht Lassalle, dessen Werk eh niemand mehr kennt, sondern wohl mehr die "reaktionären" BGE-fans. Und sie haben auch schon lange die passende Antwort:

Eins, zwei, drei! Laßt die Menschen frei!



www.iris-gleicke.de

iris.gleicke@bundestag.de

Grüße in neue Jahr
Perestroika
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#12509
Re: Zeitungsartikel zum Grundeinkommen vor 10 Jahren, 9 Monaten Karma: 0
8.1.2007: Neues von den Grünen

->www.taz.de


Grüne Wirtschaft

Sind die Grünen eine Wirtschaftspartei? Was ist grüne Marktwirtschaft? Wird der Markt automatisch grün? Diese Fragen wird die grüne Bundestagsfraktion am Dienstag und Mittwoch bei ihrer Klausurtagung in Wörlitz diskutieren. Fraktionschef Fritz Kuhn und acht weitere grüne Abgeordnete haben als Basis das Papier "Mehrwert - Grüne Marktwirtschaft" verfasst. Reinhard Loske meint, das Papier sei streckenweise ganz gut, aber nicht ausreichend. Als Ergänzung plädiert er für ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine "solidarische Ökonomie".
KOCH


->www.bundestag.de
->www.loske.de



Es gibt noch ein Interview mit Loske

->www.taz.de


Sie sind der erste grüne Bundespolitiker, der für das bedingungslose Grundeinkommen plädiert. Jeder Bundesbürger soll 850 Euro vom Staat erhalten - egal, ob er arbeitet oder nicht. Haben Sie Unterstützung in Ihrer Partei?

Einige haben sich schon positiv geäußert - etwa der neue Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Wir werden die Debatte jetzt führen und Ende 2007 auf einem Parteitag entscheiden. Ich will, dass die Grünen sich öffnen für diese Idee, auch wenn man sie nicht eins zu eins umsetzen kann. Aber es ist grundsätzlich der richtige Weg, unseren Sozialstaat umzubauen.

Welches ist Ihr wichtigstes Argument für das Grundeinkommen?

Die Würde des Menschen. Jeder ist ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft - unabhängig davon, ob er einer Erwerbsarbeit nachgeht oder nicht. Deshalb muss das würdelose Erbetteln von Sozialtransfers bei allen möglichen Stellen ein Ende haben. Außerdem müssen wir die Bedürftigkeitsbürokratie abschaffen. Die hat ein sehr negatives Menschenbild. Der Mensch wird angeblich nur tätig, wenn man ihn kujoniert und triezt.

.....

Das Grundeinkommen würde zwischen 500 Milliarden Euro und 1 Billion pro Jahr kosten. Woher soll dieses Geld kommen?

Größtenteils wird es ja heute schon für Sozialtransfers ausgegeben. Man würde das Geld nur umwidmen und zusammenfassen. 850 Euro für Erwachsene pro Monat sind wohl realistisch, für Kinder die Hälfte. Außerdem müssten wir uns verabschieden von der Finanzierung des Sozialsystems durch Steuern und Abgaben, die die Arbeit belasten. Wir sollten uns hinwenden zur Besteuerung des Konsums und des Ressourcenverbrauchs.

Also Ökosteuer und Mehrwertsteuer. Letztere aber belastet einseitig die Geringverdiener, die verhältnismäßig mehr für Konsum ausgeben als Wohlhabende.

Damit es nicht zu Ungerechtigkeiten kommt, müssen wir die Verbrauchsteuern differenzieren. Es sollte einen niedrigen Satz der Mehrwertsteuer geben für Grundbedarf wie Lebensmittel und Wohnung - so wie heute auch. Dann einen normalen Satz und zusätzlich einen dritten, hohen für Luxusgüter und umweltschädliche Produkte.

Was verstehen Sie unter Luxusgütern?

Geländewagen wie der Porsche Cayenne sind mit Sicherheit Luxusgüter. Dass die Wohlhabenden und Reichen besonders besteuert werden, ist wichtig. Deswegen sollte es auch eine nennenswerte Belastung von Kapital und Vermögen geben.



fröhliches Neues!
Perestroika<br><br>Post ge&auml;ndert von: Perestroika, am: 08/01/2007 18:37
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