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Grundeinkommen: Leserbriefe schreiben
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Politisches
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THEMA: Grundeinkommen: Leserbriefe schreiben
#12026
Grundeinkommen: Leserbriefe schreiben vor 11 Jahren Karma: 0
Seltsame Propaganda gegen das BGE


Zeitschrift Freitag 17.11.06


Ulrich Busch
->Schlaraffenland in Bürgerhand
->über Busch

Die Argumente gegen das BGE drehen sich im Kreise, wobei der Radius immer kleiner wird.


Wie der "Verteilungssozialismus" mitten im Kapitalismus funktionieren kann, bleibt nicht nur bei Götz Werner ein Rätsel

Darum geht es eben. Die Frage ist ja, woher man denn weiß, daß wir im "Kapitalismus" leben. In dem "Kapitalismus", den Karl Marx in seinem "Kapital" beschrieben hat, kann dieser "Verteilungssozialismus" nicht funktionieren. Darüber braucht man nicht zu streiten. Tatsache ist auch, daß das BGE als Idee erst heute 2006 um sich greift und 1789, 1848, 1917, 1945 in der Politik keine Rolle spielte.

Haben wir heute einen "Kapitalismus" wie etwa 1848? Wir haben schlimme Zustände, Mißstände usw. Wenn Kapitalismus die Bezeichnung für eine schreckliche Gesellschaft mit vielen Mißständen ist, dann ist es ja ok. Nicht ok dagegen wäre aus dieser Bezeichnung Argumente und Strategien abzuleiten, die sich z.B. aus dem "Kapital" von Karl Marx ergeben bzw jene der vergangenen sogenannten "Arbeiterbewegung" zu wiederholen.

Wenn wir unsre Gesellschaft "spätsozialistisch" nennen, dann ist der "Verteilungssozialismus" die reinste Selbstverständlichkeit, auch nach Marx und konform zur vergangenen internationalen Arbeiterbewegung. Die geistigen Verrenkungen, die unsre Nachkriegsmarxisten machen, sind dann nicht mehr nötig!

Busch und Kumpane erklären gesellschaftliche Phänomene rein moralisch. Die vielen Menschen aus allen "Schichten" der Gesellschaft nicht etwa nur in Deutschland, sondern in vielen Staaten der Erde, die sich neuerdings auf verschiedene Weise mit einem Grundeinkommen befassen, werden einfach für moralisch sauber aber dumm (die Linken BGE-Freunde) oder moralisch verwerflich und schlau (Götz Werner + co) erklärt.

Interessant auch, daß unsre "linken", linksliberalen und pseudomarxistischen BGE-Gegner das Vokabular der Wald- und Wiesenspießer übernehmen. Statt grundlegender Analyse des weltweiten BGE-Phänomens, gibts nur spießige Verächtlichmachung:

Seit Jahrhunderten gibt es in Europa eine soziale Utopie, die sich Schlaraffenland nennt.

Lesen wir. Seit Jahrhunderten gibts auch ganz andere Uotpien. Das Schlaraffenland ist die Utopie des Spießers, der seine Arbeit nicht versteht, die ihm ein Greul ist und die ihm nur Geld abwirft, mit welchem er seine Spießerwohnung einrichtet.
Anarchisten, Kommunisten und andere "träumten" seit zwei Jahrunderten von einer Gesellschaft in der es heißt:
"Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen." Dies aber verschweigen alle unsre BGE-Gegner, besonders solche, die über diese Kampfparole eigentlich informiert sein müßten.
Und genau darum geht es aber beim BGE, was auch viele BGE-Vertreter entweder direkt oder indirekt aussprechen. Um die Befreiung von Produktivkräften, um die Befreiung der Menschen vom "Arbeitszwang", so daß eben jeder nach seinen Fähigkeiten das machen kann was er will.

Viel Schlaraffenlandgelaber aber kein Wort über den ökonomischen Hintergrund, auf dem diese BGE-Idee wuchert, ohne den diese Idee nur eine bloße Idee wäre. Daß von 82 Mio Bürger nur 39 Mio "erwerbstätig" sind und die MEHRHEIT der Bevölkerung von 43 Mio Bürgern im "Schlaraffenland" lebt, keine Silbe. Durch dieses Schlaraffenlandgeschwätz wird umgekehrt vorgegaukelt, als lebte das Gro der Bevölkerung von "Erwerbsarbeit", ein paar Faulpelze (Hartz4-Indianer) würden sich drücken und ein paar Spinner wollten mit ihrem BGE diese schöne heile Welt zerstören.

Kein Ton dazu, daß der "Staat" im Durchschnitt bereits 730€/Monat an jeden Bürger ausgibt. Das wäre ja schon das angeblich unmögliche Grundeinkommen, ein Grundeinkommen, welches von einer gigantischen Bürokratie ausgezahlt wird, an jeden Bürger individuell, wo es ein dienstzeitfessendes Problem ist, ob Herr Meier heute 506,10€ und im nächsten Monat 490,43€ erhält und wie sich das ändert, wenn Frau Schulze bei ihm ein- oder auszieht. Sowas wird über Jahre für viele Millionen Bürger individuell in einer oder gar mehreren Akten festgehalten. Davon kein Wort. Auch kein Wort etwa zu den sich verschärfenden Bedingungen der Auszahlungen selbst, darüber, daß heute gegen 40.000 Bafögbetrüger vorgegangen werden muß, deren Bezieher dann ihr Studium abbrechen dürfen, morgen 100.000 Sozialempfänger entdeckt und drangsaliert werden, die maximal 10€ zuviel kassierten, ohne es zu wissen und immermehr "Dienstleistungserschleicher" und andere "Kriminelle" Justiz und Knäste verstopfen, das "Volk" sich mehr und mehr in eine "kriminelle Vereinigung" verwandelt und immer mehr "freie" Bürger zum durchgescheckten Freigänger mutieren.

Kein Wort gegen die unsäglichen Schikanen und perversen Hausbesuche bei "Hartz4"-Empfänger + deren Familienangehörige, Besuche angeführt von feisten wohlgenährten "Erwerbstätigen" mit Dienstmarke, moderne Gestapo-Truppen.

Schon, wenn man all diese Kontrollen und Schikanen nicht will, kommt man zwangsläufig zum BGE. Und umgekehrt, wer kein BGE will, tritt dafür ein, daß Millionen Bürgern täglich in die Fresse getreten wird, besonders solchen Bürgern, die man angeblich "schützen" will, den "Armen, Schwachen und Bedürftigen".

Klar auch die "eklektische" Methode des Herrn Ulrich Busch: Aus der Menge aller BGE-Befürworter, greift man sich einen heraus, dem man dann niedere Beweggründe unterstellt. So ein niederträchtiger Mann, muß ja geradezu das BGE propagieren:

Exzessiver Konsum wäre auch für die Drogeriemärkte von Götz Werner eine feine Sache, vor allem wenn seine steigenden Gewinne nicht mehr besteuert werden.

Das ist BZ-Stil pur! So geht man gegen alles Fremde und unbegreifliche vor. Es fehlt noch eine Karikatur des Götz Werner a la Stürmer!

Der Nutzen des BGE für Millionen Bürger ist nichts, wird nirgendwo erwähnt! solange ein "Milliardär" auch davon profitiert, bzw angeblich profitiert, denn das ist hier nur ein akademisch konstruierter Zusatzprofit, solange ist das BGE natürlich verabscheuenswürdig.


Indem Arbeit und Einkommen vollständig entkoppelt werden, verkörpert dieser leistungslose, garantierte Geldanspruch den denkbar radikalsten Bruch mit jeder auf Erwerbsarbeit basierenden Einkommensverteilung, mit dem Leistungsprinzip und der kommunistischen Utopie, die bekanntlich auf Arbeit als erstes Lebensbedürfnis setzt.

Das sind einfach nur Behauptungen. Die Erwerbsarbeit wird gar nicht aufgehoben. Die "kommunistische Utopie" wird gerade durch das BGE realisiert, sofern die Arbeit als erstes Lebensbedürfnis den Menschen nicht gewaltsam aufgezwungen wird, wovon anscheindend der Autor träumt.


Das bedingungslose Grundeinkommen untergräbt aber keineswegs nur die Ideologie der Erwerbsarbeit, sondern zugleich jeglichen Zusammenhang zwischen Arbeit und Verbrauch.

Ein akademisches Scheinargument, selbst wenn es so wäre, wo wäre dann das Problem, wieso spricht das jetzt gegen das BGE?
Nun untergräbt ein BGE aber nicht "jeglichen Zusammenhang zwischen Arbeit und Verbrauch". Diese Behauptung ist völliger Nonsens. Die Arbeitsergebnisse -welcher Art auch immer- werden auch mit BGE erzeugt, gebraucht und verbraucht. Es werden auch mit BGE Autos, Pferdesattel, Kühlschränke, PCs usw sogar mittels "Erwerbsarbeit" produziert und in Läden wie heute zu Verkauf angeboten. Ulrich Busch weiß nicht was er schreibt: oben erwähnt er ja, daß z.B. in den Drogerie-Läden des Herrn Werner alles beim alten bleibt, nur dessen Profite steigen angeblich. Und vermutlich wird man auch die Zeitschrift "Freitag" -so wie heute- auf gewöhnliche weise produzieren, kaufen und verbrauchen. Also was soll dieses Geschwafel?


Dabei wird völlig übersehen, dass wirklicher Reichtum nur dann möglich ist, wenn er ständig reproduziert wird und weiter wächst.

Was ist bitteschön "wirklicher Reichtum"? Dieser Onkel sollte sich besser mal mit der weltweiten Rüstungsindustrie befassen und uns erklären was daran "wirklicher Reichtum" ist, wenn mehrere Millionen Menschen -darunter 100.000e hochausgebildete Wissenschaftler- ihre "Brötchen" mit Konstruktion und Bau von Panzern, Bomben, Raketen und Minen verdienen. Trägt jede "Erwerbsarbeit" zum "wirklichen Reichtum" bei? Tragen die Linuxfans durch ihre kostenlose Arbeit nicht bedeutend mehr zum "wirklichen Reichtum" bei, als alle Millionen Erwerbstätigen in der Rüstungsindustrie zusammengenommen? Soll uns hier ein X für ein U verkauft werden?


Das würde jedoch voraussetzen, dass möglichst viele - im Idealfall alle Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihren Fähigkeiten - für die Gesellschaft tätig sind, das heißt: arbeiten.

Siehe den Umstand, daß dieser Idealfall ohne BGE seit Jahrzehnten kaum erreicht wurde: von 82 Mio Bürgern sind 39 Mio erwerbstätig. Von diesen 39 Mio produziert und reproduziert nur noch eine Minderheit von schlappen 15-20 Mio den "wirklichen Reichtum". Mehr Menschen beschäftigen sich heute mit der Verteilung des "wirklichen Reichtums", der Sicherung des Kleineigentums und der Schikane aller Bürger.

Zur Existenz eines Menschen, gehören beispielsweise Kartoffeln, Eier, Brot und Wurst. Inzwischen sind damit in der BRD nur noch 500.000 Bauern beschäftigt, bzw 1 Mio "Erwerbstätige" in der LW überhaupt. Beim Wohnen sieht es ähnlich "düster" aus. Der Mann übersieht, daß die Menge des zur nackten Existenz Notwendigen eben begrenzt ist. Niemand -außer der Autor- futtert die doppelte Menge an Kartoffeln, nur weil er sie billig oder gar umsonst erhält. Die zur Erzeugung der Existenzmittel aller Bürger erforderliche Arbeitsmenge nimmt immer mehr ab. Schon von daher ist es höchst ineffizient, die Verteilung dieses Notwendigen an Bedingungen zu knüpfen, deren Einhaltung am Ende mehr "Erwerbstätige" überprüfen und kontrollieren, als Menschen zur Erzeugung dieser Sachen notwendig sind.

Beispiel: Wenn 10 Menschen für 1000 Menschen Kartoffeln erzeugen, die 1000 Menschen darüber übereingekommen sind, daß niemand -auch kein Straftäter- verhungern soll, wieso brauchen wir dann nochmal 10, 20 oder gar 100 Menschen, die genau prüfen, wer welche Kartoffel erhält? Am Ende hat ja doch jeder seine Kartoffeln, selbst der Kartoffeldieb, der ein halbes Jahr Kartoffeln klaut und "zur Strafe" ein halbes im Knast verstaut wird. Man bringt ihm dann seine Kartoffeln in die Zelle!


Dann haben wir eben eine höhere Steuerquote, sagen die linken Freunde

Das ist auch nur ein Fischen im Trüben, die BGE-Bewegung -auch der linke Teil- ist sich in allen Fragen unsicher, es gibt hier jede Menge gegensätzliche Meinungen, Ideen und Vorschläge nur in einem besteht konsens: das BGE muß "bedingungslos" sein und es ist wie auch immer realisierbar.


Das mag als psychologischer Befund richtig sein, hat aber nichts zu tun mit der volkswirtschaftlichen Frage, wie denn die Chancen, gegen Bezahlung produktiv zu werden, überhaupt entstehen sollen.

Genauso wie auch heute schon! Es gibt ja noch Jobs. Niemand behauptet, daß mit einem BGE keine Erwerbsarbeit mehr existiert.

Wenn man heute 400€ an jeden Bürger bedingungslos auszahlt und alles andere so läßt wie es ist, wird sich kaum etwas ändern. Die Anzahl der "Bedürftigen" geht etwas zurück.
Werden dann 600€ bezahlt, verringert sich die Anzahl der Bedürftigen erneut, viele, z.B. Millionen kulturschaffende (Künstler, Musiker, Schauspieler, Schriftsteller), Trödler und Klavierlehrerinnen kommen damit bereits klar. Ich seh jetzt nicht wo hier Sordum und Gomora ausbricht, gar jeglicher Zusammenhang zwischen Arbeit und Verbrauch verschwinden soll. Erhöht man das BGE nochmal um 200€ wird die Anzahl der "Bedürftigen" weiter verringert. usw. usf. Wohlmöglich geben dann auch einige Leute auf solche Artikel zu schreiben und zu vermarkten. Wäre das ein Verlust?

Perestroika

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PS: wird noch als Leserbrief an den Freitag geschickt.
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Perestroika
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