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1-€-Job als "Qualifizierung"???
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Ein-Euro-Jobs
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THEMA: 1-€-Job als "Qualifizierung"???
#6561
1-€-Job als "Qualifizierung"??? vor 11 Jahren, 7 Monaten  
Hallo liebe Mitleidenden,
bin 40 Jahre alt, w, seit fast 2 Jahren arbeitslos, seit Okt. 05 Hartz-IV-Empfängerin, habe 2 qualifizierte Berufe mit abgeschlossenen Ausbildungen (davon eine mit 10.000 DM selbst finanziert!!!) und einen angelernten Beruf mit 5-jähriger Berufserfahrung und weder von der Agentur noch von der Arge jemals ein Jobangebot erhalten. Z.Z. stecke ich in einer Eingliederungsvereinbarung, die besagt, dass ich innerhalb eines halben Jahres 30 Bewerbungen verschicken muss; die Vereinbarung endet erst Mitte Mai.
Nun soll ich einen 1-€-Job als Zimmermädchen und Reinigungskraft antreten mit mind. 25 Wochenstunden und einem Theorietag beim Träger (schriftlich liegt mir noch nichts vor, ich musste aber bereits selbst mit dem Arbeitgeber Kontakt aufnehmen um den Anfangstermin zu vereinbaren). Wie man mir vorab mitteilte, treten an diesem Theorie-Tag (genannt "unsere Quali"?!?)Leute ohne Qualifikationen, ohne Schulabschluss, ohne Deutschkenntnisse o. ä. an und werden dort "geschult" und auf eine Intergration in den Arbeitsmarkt vorbereitet, so O-Ton der Ansprechperson des Trägers. Nun meine Fragen:

Muss ich im Rahmen dieses 1-€-Jobs an diesem Theorie-Quatsch teilnehmen?

Was soll ich mir denn unter "Quali" vorstellen? Etwa Bewerbungen schreiben, deutsch lernen oder dergleichen? Ich bin bereits bestens geschult und habe zuletzt als Korrektorin in einem Verlag gearbeitet! Wozu werde ich denn in dieser Zeit qualifiziert??? In meinen Augen heißt das nur teure Zeit absitzen, in der ich wirklich Sinnvolleres tun könnte! Außerdem kommt es mir so vor, dass der Träger nur das Stundenkontingent steigern will oder sogar Profit daraus macht, mich dort zu fesseln! Kann das sein?

Das gilt auch für den Job an sich: Wie und warum muss ich mich denn als Putzfrau qualifizieren?? Im Anschluss an den 1-€-Job stünde ja schließlich ein festes Arbeitsverhältnis an, sagte mir die Ansprechperson, zu deutsch: Ein fester 400-€-Job, bei dem ich dann 160,-€ behalten darf! Damit bin ich immerhin aus der Statistik der Arbeitslosen entfernt, kann aber immer noch nicht davon leben!!!

Der Arbeitgeber ist eine gemeinnützige Einrichtung und kann ja nichts für diese seltsamen Vereinbarungen zwischen Arge und Träger, aber immerhin koste ich sie für die Dauer des 1-€-Jobs (1/2 Jahr) ja nichts.

Wie soll ich mich verhalten und weiß jemand, ob ich wirklich verpflichtet bin, diesen Theorietag abzusitzen? Muss ich mit Leistungskürzung rechnen, wenn ich an diesem Tag einfach nicht erscheine? Dass ich die Arbeit an sich nicht ablehnen darf, weiß ich ja, aber unter diesen Bedingungen?

Würde mich riesig freuen, wenn mir jemand seine Erfahrungen schildern könnte oder mehr dazu weiß

Liebe Grüße an alle
Yoshi

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#6563
Re: 1-€-Job als "Qualifizierung"??? vor 11 Jahren, 7 Monaten  
Hi Yoshi
Es handelt sich hier um eine Maßnahme, um deine Arbeitswilligkeit und -Fähigkeit zu überprüfen.
Also Vorsicht!

Deshalb solltest du dich auf keinen Fall ohne Rücksprache mit der AA aus der Quali herausziehen.
Dies kann umgehend eine Einkürzung zur Folge haben, da du dich ja als arbeitsunwillig zeigst.

Ich würde versuchen, ersteinmal in einem ruhigen sachlichem Gespräch abzuklären, warum du mit deiner Qualifikation an dieser Maßnahme teilnehmen sollst.

Da herauszukommen ist schon etwas schwierig.
Die mehr oder minder einzige Möglichkeit die mir einfällt ist dieser Passus im Sozialgesetz: " wenn die Tätigkeit mit deinen körperlichen, seelischen.... nicht vereinbar ist" (ich weiß aber leider nicht den §, aber vielleicht jemand anders hier im Forum, oder unter Ali (Suchfunktion) nachschauen.
Solltest du also ein "körperliches, seeliches Gebrechen" haben, wäre eine Möglichkeit, ein ärztliches Attest bei der AA vorzulegen, daß du aufgrund von .... nicht in der Lage bist dich häufig zu bücken, schwere Lasten zu heben etc. Als Zimmermädchen hättest du ja solche Arbeit vor dir.

Ich wundere mich sowieso welche Auflagen du bekommen hast: 30 Bewerbungen in einem halben Jahr - das ist schon heftig.
Tip: bei der nächsten Eingliederungsvereinbarung aufpassen: Bewerbungskosten werden für 1 Bewilligungsjahr in Höhe von 260 Euro ersetzt, die Anzahl der vereinbarten Sollbewerbungen darf damit diese Gesamtsummen nicht übersteigen.
Bei 30 Bewerbungen in einem halben Jahr bist du bei 180 Euro, d.h. für das nächste halbe Jahr stünden damit nur noch 16 Bewerbungen als Soll an.
(Ich hoffe, ich habe am Morgen richtig gerechnet!)

Du scheinst ja einen besonders scharfen Arbeitsvermittler erwischt zu haben.
Andere Möglichkeit: anwaltliche Beratung Beratungsschein vom Amtsgericht holen, dann ist die Beratung beim Anwalt kostenfrei (auf jeden Fall einen Anwalt für Sozialrecht! aufsuchen)

Gruß kittie
kittie

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#6571
Re: 1-€-Job als "Qualifizierung"??? vor 11 Jahren, 7 Monaten  
Hallo liebe Kittie,
erstmal danke für deine Antwort.

Das mit dem ruhigen, kärenden Gespräch habe ich schon versucht! Da erzählte mir mein Berater (der eigentlich sehr nett und menschlich ist, es aber auch versteht mit taktischen, gut gemeinten Ratschlägen mich "freiwillig" zu etwas zu überreden. Im Klartext: er könnte mich auch direkt zwingen, verpackt aber alles in nette Worte!), er hätte es ja gut gemeint, damit ich aus meiner eintönigen Situation herauskäme, außerdem wäre es immer besser, sich aus einem Job heraus zu bewerben als aus der Arbeitslosigkeit. Dazu ist der Arbeitgeber des 1-€-Jobs ein Bildungszentrum der katholischen Ordensschwestern, die eine "liebe Person" suchten, und die wäre ich doch ... Du siehst, mit Speck und Honig um den Bart schmieren, fängt man Mäuse! Ich kann noch nicht einschätzen, ob er wirklich so drauf ist, oder ob das nur seine Taktik ist, es ändert jedenfalls nichts an der Tatsache, dass ich annehmen muss.
Das mit der Eingliederungsvereinbarung (30 Bewerbungen im halben Jahr = 5 pro Monat) kam deshalb zustande, weil als Alternative sonst nur eine Maßnahme mit 4 Wochen Theorie (sprich Bewerbungstraining, Prakikumssuche und Vorstellungsgespräche etc.) und 4 Wochen Praktikum im Betrieb ausstand, und eine solche hab ich erst im letzten Jahr absolviert. Also durfte ich mich auch hier wieder "freiwillig" für die Maßnahme mit den 30 Bewerbungen entscheiden ...
Was körperliche oder geistige Gebrechen angeht, bin ich zwar körperlich überhaupt nicht fit und habe große Angst, dass mein Rücken nicht mitmacht, kann es aber nicht beweisen und wenn der Amtsarzt kommt, weiß ich schon, wer den längeren Arm hat ...! Bei all meinen Bedenken, die ich auch dem Berater gegenüber geäußert habe, übrigens fällt auch noch Wochenendarbeit regelmäßig an, hieß es nur, ich solle es doch erstmal versuchen. Wenn ich es nicht probieren wolle, hätte er ein Problem und müsse mir Leistung streichen!
Mein Hauptproblem ist aber jedenfalls dieser Theorie-Tag, denn ich weiß beim besten Willen nicht, was ich da noch lernen soll und die Vorstellung, viele Stunden mit meinen türkischen und russischen Mitteilnehmern, mit denen ich nicht mal reden kann, einfach nur abzusitzen, ist mir ein Graus! (nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Ausländer, bin selbst mit einem verheiratet, und die Leute können schließlich auch nichts dafür. Die meisten sind nur so un- bzw. schlecht qualifiziert, dass ich nicht verstehe, wie man das alles in einen Topf werfen kann )
Zu den Bewerbungskosten kann ich nur sagen, das verhält sich bei mir etwas anders, weil ich dazu übergegangen bin, nur noch Anschreiben und Lebenslauf zu verschicken, deshalb komme ich da nicht auf so horrende Summen. Sogar die vielen Passbilder spare ich mir, indem ich sie einfach im Dokument am PC ausdrucke. Das ist ja zum Glück heutzutage so üblich, dann kostet nur noch die Erstellung der CD beim Fotografen was.
So, leider weiß ich jetzt immer noch nicht, was diese lästige Theorie mit dem 1-€-Job für mich zu tun hat, vielleicht weiß ja sonst noch jemand was dazu.

Liebe Grüße
Yoshi
Yoshi

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#7199
Re: 1-€-Job als "Qualifizierung"??? vor 11 Jahren, 6 Monaten  
Hallo Yoshi,

ich kann es nachvollziehen. Ich weis auch nicht was der Scheiss mit Bewerbungstraining und Co. usw. soll??? Ich selbst mache auch eine 1-Euro-Tägtigkeit weil ich mich aus Langeweile und um nicht total den Anschluss zu verlieren mich mal beim Arbeitsamt erkundigt warum seit 1 Jahr keine Angebote mehr kommen. Dort erfuhr ich das ich nicht mehr vermittelt werde, sondern eine Fallmanagerin habe. Naja, ok nachdem die dort locker 2 Stunden gesucht hatten. Dort erfuhr ich erstmal das die momentan auf einer Weiterbildung ist und sie ihr aber eine eMail schreiben. Naja wie toll. Auf jeden fall rief sie mich mal an und ich bin dann mit meiner Bewerbungsmappe zu ihr hin, dort sagte sie mir das ich doch eigentlich gar nicht zu ihrem Klientel gehöre mit der Qualifikation gehöre ich doch in die Vermittlung. ( ich bin Betriebswirt und Wirtschaftsinformatiker ) aber sie kümmert sich drum.
Ich habe ihr 2 Komplette Bewerbungsmappen zur weiterleitung für soziale Träger gegeben. Ich hatte echt die Langeweile und den Frust der Bewerbungen leid und habe dann angeboten mein Wissen und Können für eine soziale Sache zu machen. Teil 2 folgt
1-Euro-Knecht

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Moderation: admin, , , , , Tom