Hi an alle netten Leute hier,
> da du dich in einer Weiterbildung befindest, bekommst du daraus keine Leistungen ?????
Nein, das wird vom Europäischen Sozialfond getragen. Der bezahlt zwar die Schule, aber ich bekomme nichts. Das Arbeitsamt muss dem zustimmen (was sie auch gemacht haben) und zahlt das Unterhaltsgeld weiter, ohne mich ständig vorzuladen.
Ich begrüße das, denn ich glaube, es ist besser "lieber heimlich schlau als unheimlich blöd" zu sein.
Ob das mit der EV allerdings so schlau war, da bin ich mir jetzt im Zweifel. Ich habe jetzt nichts erreicht und zusätzlich 340 Euro Schulden.
Kennt jemand da eine Härtefallregelung, die man hier anwenden könnte?
Da ich nun gar kein Geld mehr habe, bin ich gestern zum Arbeitsamt Süd gegangen und habe mehr erreicht als zuvor.
Wie kam das?
1) 8) ich habe noch mal alle geforderten Unterlagen zusammen gestellt, die ich habe, Kopien davon fürs AA angefertigt und einen Brief geschrieben, in dem ich klar stelle, dass ich diese Unterlagen alle beigebracht habe und nun meinen Antrag bearbeitet sehen will mit einer Fristsetzung von 14 Tagen.
2)

ich habe die Schikanen des Wartens ausgehalten:
Der Neubau wird durch Security geschützt und ist nicht zu betreten => also in den Altbau gegenüber und dort anstellen. Dadurch wird aus 8:00 8:15 und die Wartezeit vor dem Haus auf Öffnung für die Katz. ich steh nun ganz hinten.
a) 3/4 Std. Warten auf ein Gespräch an einem Tresen => Bitte warten Sie in Saal 1, Sie werden aufgerufen
3)

2 Stunden warten in Saal 1, vortragen des Sachverhaltes => Laufzettel bitte gehen Sie in den Neubau mit dem Laufzettel und Melden sich in Zimmer nn an.
4)

Inzwischen ist es 11 Uhr. Ich will in Zimmer nn aber das ist zu. Ein Zettel verweist auf ein anderes Zimmer => dort wird mir der Laufzettel abgenommen mit dem Hinweis, es könnte etwas dauern... man hofft, dass ich etwas zeit mitgebracht habe. Ich hatte.
5) :woohoo:Als ich dran komme (es ist inzwischen 14 Uhr) gibt es erst mal eine kleinere Konfrontation, als ich formuliere "Sie haben mir mitgeteilt, dass ....". ich stelle also klar, dass ich die Mitarbeiterin nicht persönlich meine, sondern sie in ihrer Eigenschaft als Institution... und fortan läuft alles etwas ruhiger. Sie erklärt mir alles mehrfach und ich wundere mich wirklich selber über meine Geduld. Sehe ich wirklich so dumm aus, dass man mir die einfachsten Dinge mehrfach erklären muss und darum meine ganz konkreten Fragen nicht beantwortet? Egal, ich höre zu und stelle meine Frage erneut mit anderen Formulierungen. Sie zeiht meine Akte.... und siehe da?!?!? Alle Unterlagen, die das AA von mir fordert und die angeblich nicht abgeliefert worden sind liegen fein säuberlich in dem Hängehefter.
Sie entschuldigt sich, dass meine Akte nicht bearbeitet ist, weil alle anderen Langzeiter auch zum 1.November dasselbe Problem haben und sie einfach überlastet sin. Sie haben ja nur 1 tag pro Woche für die Bearbeitung der Folgeanträge, sonst sind nur aktuelle Sachen dran.
Sie bewilligt mir anstandslos das Unterhaltsgeld und stellt eine Karte aus, mit der ich noch im Haus am Automaten im EG das Geld bar ausgezahlt bekomme.
Für den Durchlauferhitzer sieht sie keine Möglichkeit. mein Hinweis, dass ich ohne das Teil gar kein Wasser im Haus habe versteht sie. Nun macht sie den Vorschlag, mir ein Darlehen zu geben (also ganz genau das, was meine Anwältin in der EV verlangt hat). AHA! Ich solle alle meine Widersprüche schriftlich zurücknehmen, einen Kostenvoranschlag vorlegen und dann läuft das schon.
Ich lasse nicht locker und sage ihr, dass ich das einfach zu Protokoll gebe (d.h. sie muss das aufnehmen). Sie windet sich und wir machen einen neuen Termin aus. Bis dahin wird sie den anderen teil der Akte aus der Widerspruchsstelle haben und wir können alles ganz genau klären.
Ich bestehe noch mal darauf, dass sie meine Unterlagen entgegen nimmt und mir quittiert, dass sie sie erhalten hat, was sie auch macht, wenngleich auch nicht gern.
Dafür verlängert sie mir die Karte für die BVG gleich auf die volle Länge bis Mai nächsten Jahres. So ist wenigstens die verbilligte Fahrkarte zur Schule gesichert.

Es hat sicherlich auf sie Eindruck gemacht, dass ich alles habe sehr ruhig und gelassen klären können. Fast alle anderen würden sehr aggressiv reagieren....

Und was am wichtigsten war, ich hatte mir einen unbeteiligten Zeugen mitgebracht.
Untern im Haus (das AA ist längst zu) erklärt mir der Security-Mann, dass der Automat nur runde Hundertersummen ausspuckt. Aua…. Ich fühle wieder leichte Panik in mir hoch keimen…. Aber ruhe bewahren ist das oberste Gebot. Drüben im Altbau ist ein Automat mit Münzausgabe…. Aber komme ich da noch rein? Ich komme. Der Türsteher hat verständnis und lässt mich durch. Um 14Uhr 45 stehe ich endlich vorerst zufrieden vor der Tür des AA.
Ich hoffe, dass ich den Rest nächste Woche auch noch klären kann und dann ist die Welt wieder in Ordnung, soweit man das unter Hartz IV überhaupt so nennen kann.
Was bleibt sind die 340 Euro Schulden bei der Anwältin für die EV.
Fazit: Es war stressiger als ein Tag mit 8 Stunden schwerer Maloche. Und das soll es auch sein für die Schmarotzer der Gesellschaft. Sich dabei gegen die Mitarbeiter des AA zu wenden bringt dabei nicht viel. Ich bin in persönlichen Ansprachen dort immer sehr freundlich und zuvorkommend behandelt worden. Und wir Arbeitslosen müssen auch Verständnis für deren Verhalten haben, wenn sie den ganzen tage nur mit aggressiven Kunden zu tun haben. Außerdem wollen die auch in der Tretmühle hoch kommen und müssen daher ihr Limit an Ablehnungen und Schikanen schaffen. Darum denke ich, nutzt es nichts, sich gegen die Mitarbeiter zu wenden. Wir müssen vielmehr und gegen die Politiker wenden, die solche Gesetze zu verantworten haben.
Vor allem aber müssen wir
ganz massiv Werbung für unsere Sache machen. Der Nachbar, der „Arbeitsplatzbesitzer“ und die vielen Dummen in den Talkshows müssen begreifen, dass sie sich die Konkurrenz selber schaffen. Ihre Arbeitsplätze sind nur deshalb gefährdet, weil draußen nicht ein sondern hunderte von MAE-Kräften warten, die deren Job einnehmen wollen. Man muss denen auch noch klar machen, dass Umsonstarbeit heute immer noch zu teuer ist, weil Firmen noch Subventionen in Form von Lohnzuschüssen und Eingliederungshilfen aus den Rücklagen der Arbeitslosen selber (nämlich der Arbeitslosenversicherung) bezahlt werden. Wir sind darum schon lange kein „Billiglohnland“ mehr.
Ich denke wenn mehr Verständnis für die wirtschaftliche Situation des Landes auf kommt, dann werden auch ganz andere Parteien gewählt.
Wolfgang