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Amerikanische Studie: Je unterschiedlicher eine Gemeinschaft zusammengesetzt ist, desto mehr neigen die Menschen zum Misstrauen und Rückzug (30.000 Personen aus den unterschiedlichsten Lebenserhältnissen wurden interviewt)
(Vorsicht! - Kritischer Kommentar)
Misstrauen und Rückzug führen zunehmend zur Vereinsamung
was lt. Studie ein Schwinden des sog. “sozialem Kapitals” nach sich zieht. Mit soialem Kapital ist der vitale Nutzen, den soziale Netzwerke und damit verbundene elementare Werte wie Austausch und Vertrauen anhäufen, gemeint. Konkretes Beispiel: Die meisten Jobs werden über soziale Netzwerke vergeben. Das sehe ich genau so.
Beispiel: Unser Portal ist ein ebensolches Netzwerk - und hat auch das Potenzial, uns entweder gegenseitig zu helfen bzw. vielleicht auch zu einem passenden Job zu bringen.
Isolation ist kontraproduktiv
Einen Rückzug halte ich da für kontraproduktiv - auch wenn jeder zunehmend mehr und mehr seine “eigenen Interessen” verfolgt und sich weniger engagieren möchte. Die parallel laufende “Isolation” eines jeden von uns lässt jedoch weniger Chancen offen, die eigenen Interessen durchzusetzen und letztlich zu erreichen. Das sollte jedem von uns klar sein.
Gemeinsinn zeigen - sind wir auch unseren Kindern schuldig!
Darüber hinaus belegt eine andere Studie aus 2000, dass Kinder in Umgebungen mit hohem sozialen Kapital gesünder und sicherer aufwachsen und eine bessere Ausbildung hätten; die Bewohner solcher Orte würden glücklicher und älter; Demokratie und Wirtschaft würden dort besser funktionieren.
Folgen von Angst vor Fremdheit? Oder politische Angstmache?
In Gebieten, die sich durch größere Diversität der Bewohner auszeichneten, zeigte sich lt. Studie:
- Geringeres Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung, die örtlichen Behörden und in lokale Medien und
- in den eigenen Einfluss bzw. die Gestaltungsfähigkeit,
- eine niedrigere Wahlbeteiligung,
- geringere Erwartung an die Kooperation anderer, wenn es um gemeinschaftliche Probleme geht (z.B. bei Wasser- oder Stromausfall),
- geringere Wahrscheinlichkeit, dass jemand bei einem zivilgesellschaftlich organisiertem Projekt mitarbeitet,
- dass die Bewohner weniger enge Freunde und Vertraute haben,
- dass sie sich als weniger glücklich wahrnehmen und ihre Lebensqualität niedriger einstufen,
- dass sie mehr fernsehen und das "als wichtigste Quelle der Unterhaltung" angeben.
Nach dieser Studie reagieren die Bewohner nicht offensiv, sondern mit ausgeprägtem Rückzug. Das Erstaunliche an den Ergebnissen ist aber, dass das Misstrauen in solchen heterogenen Umgebungen alle Gruppierungen umfasst - einschließlich derjenigen, zu der die Befragten selbst gehören, umfasst.
Hier liegt für mich der Schlüssel nämlich nicht per se in der Angst vor Überfremdung. Die aufgeführten Verhaltensmuster “geringeres Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung, die örtlichen Behörden und in lokale Medien, in den eigenen Einfluss bzw. die Gestaltungsfähigkeit, eine niedrigere Wahlbeteiligung und dass sie mehr fernsehen - als wichtigste Quelle der Unterhaltung” weist meines Erachtens nicht auf Angst vor Überfremdung hin, sondern eher einer Angst “vor Fremdbestimmung” und einer gewissen Ohnmacht, etwas dagegen bewirken zu können.
Meines Erachtens hat dieser “Rückzug” politische Gründe, denn die Politik hat wesentlichen Einfluss auf die nahe und fernere Umgebung. Die Presse veröffentlicht täglich Schreckensszenarien, z.T. nicht fundiert und in sehr emotionaler Weise, so dass auch sie wesentlich zur Verunsicherung der Bevölkerung beiträgt.
Damit möchte ich der These “Vielfalt verursacht Rückzug” widersprechen und statt dessen die These “Fremdbestimmung verursacht Rückzug” vertreten. Denn wenn jemand glaubt, dass er doch nichts mehr bewegen (ändern) kann, resigniert man oft, kümmert sich um “seinen eigenen Kram” und glaubt sogar in recht unlogischer, oft sehr emotionaler Weise, dass man dann “seine Ruhe” hat, was aber letztendlich nicht eintrifft.
Beispiel: Arbeitslose denken oft, wenn sie der ARGE nur alles recht machen, hätten sie ihre Ruhe vor dieser Behörde. Schätze mal, inzwischen wird uns allen klarer, dass das so nicht stimmt - im Gegenteil - je ruhiger und konformer man sich verhält, desto mehr schätzen “die” uns so ein, dass man uns (eigentlich) noch mehr zumuten könne, weil wir ja nicht revoltieren, kaum Klagen einreichen und auch nicht die Vermittler attackieren. Devise: Da geht doch noch was!
Eine hoffnungsvolle Herausforderung meistern lernen
Die neue Studie zeigte auch: ...Dass jede moderne Gesellschaft mit allergrößter Sicherheit damit rechnen muss, in einer Generation unterschiedlicher zusammengesetzt zu sein als jetzt. Für einen kurzen Zeitraum ist, wie das Ergebnis der Studie zeigt, eine derartige Veränderung eine Herausforderung für die Gesellschaft. Sei das aber geschafft, dann würden sich langfristig positive Perspektiven ergeben: "Erfolgreiche Zuwanderergesellschaften erfinden neue Formen der sozialen Solidarität und mindern die negativen Aspekte der Diversität, in dem sie neue Identitäten mit wesentlich mehr Mitgefühl aufbauen".
Dies sollten wir auch so sehen - eine Herausforderung im besten Sinne. Wir können daher täglich viel über die Vorteile solcher Gesellschaften kommunizieren, die positiven Wirkungen jedem vermitteln, jedem widersprechen, der dem Medien-Mainstream oder der BILDung einer gegenteiligen Meinung folgt. Hier werden wir gebraucht und sollten hieraus unseren Nutzen schöpfen - nicht nur aus einer sehr fixierten Suche nach einem halbwegs erträglichen Arbeitsplatz.
Daher bleibt es letztendlich für mich dabei, für die Vielfalt zu plädieren. Sie kann größeres sozialeres Wirtschaftswachstum, mehr allgemeinnützliche Steuereinnahmen, größere Kreativität und eine bessere - für uns alle nützlichere - Wissenschaft schaffen.
Hetzen wir uns aber gegeneinander auf, misstrauen einander und vereinzeln uns, kann sich Ohnmacht und Erstarrung stabilisieren - was den gierigen Unternehmen global nur nützlich sein kann. Wir werden zu zunehmend vereinsamten linientreuen Konsumenten, die nur noch ihr kleiner Rahmen interessiert, während draußen Sozialabbau betrieben wird, der sie letztendlich dann doch sehr stark auch persönlich negativ treffen wird...
Treffen wir uns doch zu nützlicherichen Dingen... statt brav Hetzkampagnen nachzueifern...
meint HB)rtzbeat
(Vollständiger Artikel über die Studie > unter:
[url]http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25921/1.html[/url)
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