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Arbeitswille testen......
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THEMA: Arbeitswille testen......
#6870
Arbeitswille testen...... vor 11 Jahren, 7 Monaten Karma: 1
Als ich das heute in den Schlagzeilen gelesen habe, war ich einfach sprachlos.....

Ich meine, ich fühle mich tierisch verrascht. Einerseits bekommt man von den Ämtern zu hören, es seien keine Jobs vorhanden, andererseits wolle man uns mit Sofortangeboten denn testen?

Na Klasse, ist der Herr Brandner neuerdings Zauberer? Wie will er denn Jobs schaffen, wenn es die Agenturen nicht mal schaffen? Nicht nur, das wir dann Jobs kurzfristig annehmen sollen, wir sollen auch Schulungsmaßnahmen aufnehmen, wieder sinnlose Maßnahmen um die Statistik zu verschönern......

Wie wäre es mal, wenn im Gegenzug die Politiker den Willen zeigen mal auf Diäten zu verzichten? Wohl kaum, denn sobald von einsparungen die Rede ist, schlagen dann die Politiker wieder zu.
racerwhv
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#6872
Re: Arbeitswille testen...... vor 11 Jahren, 7 Monaten Karma: -6
Hallo racerwhv!

Wenn es tatsächlich stimmt was du da gelesen hast, frage ich mich auch wo die Jobs herkommen sollen und es ist auch ein offenes Geheimnis das mit Schulungsmaßnahmen die Statistik gelegentlich geschöhnt wird.
Nur alle Schulungsmaßnahmen über einen Kamm zu scheren geht nicht,da gibt es durchaus einige die Sinn machen und man echt was dazu lernen kann. Ob da jetzt Bewerbungstraining dazu gehört, darüber läßt sich streiten, aber man sollte doch alles mal gemacht haben.
Wenn ich Arbeitslosenunterstützung erhalte dann doch nur unter der Voraussetzung mich zu bemühen etwas dagegen zu unternehmen. Die Höhe des Geldes richtet sich auch danach wie lange und wie schnell ich "verfügbar" bin, einige die aus dem Mutterschaftsurlaub kommen haben das bereits erlebt und auch ich habe schon kurzfristige Termine vom Amt per Post bekommen wo mich das Gefühl beschlich "die wollen doch nur prüfen ob du ohne Erlaubnis weggefahren bist und die dich hier am Hacken haben" (zb. an einem Freitag zwischen Feiertag und Wochenende). Ich persönlich hätte kein Problem damit sofort eine Stelle anzunehmen, immer mit der Hoffnung da könnte vielleicht was werden.....
Grüße von Tammy
Tammy
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Wir brauchen mehr Arbeitsplätze, nicht mehr Druckmittel gegen Arbeitslose ( Heinrich Franke)
 
#6875
Re: Arbeitswille testen...... vor 11 Jahren, 7 Monaten Karma: 1
Hallo Tammy
natürlich will man schnell aus den Umständen heraus, keine Frage.
Aber die Regierung schert alle über einen Kamm und verhält sich so, als wäre JEDER Arbeitsloser arbeitsunwillig und ein Sozialschmarotzer!

Was die Schulungsmaßnahmen betrifft: Ich habe auch schon an vielen dran teilgenommen, habe eine Umschulung gemacht. Aber es war immer das selbe. Immer wurde gesagt, wenn man diese Schulung hinter sich hat, hat man verstärkt Chancen auf eine Arbeitsstelle. Und egal wie viel Kompromisse man eingegangen ist oder sich bemüht hat, man hat genauso wenig Chancen wie vorher. DasEinzige was wirklich sehr nützlich war, war ein Bewerbungstraining. Ok, was macht es Sinn, das man fast 60 Jährige Arbeitslose zu solchen Maßnahmen schickt? Überhaupt keinen. Sie sind schlich sehr schlecht vermittelbar, da nützt auch keine perfekte Bewerbungsmappe, zu alledem hinterfragt ein solcher Mensch den Nutzen, da er eine Zeit kennt wo andere Methoden zum Erfolg geführt haben.....

Man müsse den Arbeitswillen anders stärken. Jeder Arbeitslose sollte eine Prämie bekommen, der eine Arbeit angenommen hat. Je nach Bemühung und Länger derArbeitslosigkeit sollte die Prämie gezahlt werden. Hat z. B. ein Arbeitsloser sich selbst die Arbeit beschafft, bekommt er die höchste Prämie, dazu noch eine Prämie wie lange diese Person arbeitslos war.
Ok, da werden wieder Kritik laut, wonach es heißen wird, dann werden die Leute bewusst länger arbeitslos sein um diese Prämie zu bekommen, aber man kann dies auch verbinden mit der Eigenbemühungen die man dem Amt vorlegen muss. Ein Mensch, der nur die mindestanforderung an Eigenbemühung auf den Tisch bringt, bekommt die geringste oder keine Prämie. Kann ein Arbeitsloser weit aus mehr Eigenbemühung bringen, sollte er um so mehr eine Prämie bekommen.

Nur so kann man den Willen stärken... Meine Meinung!
racerwhv
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#6876
Re: Milliardengeschäft mit der Weiterbildung vor 11 Jahren, 7 Monaten  
Damit wird ein altes Thema neu aufgelegt:
PANORAMA Nr. 622 vom 16.1.2003



Filz beim Arbeitsamt

- Milliardengeschäft mit der Weiterbildung



Anmoderation
Anja Reschke:

Ernüchternd der Blick auf den Gehaltszettel. Wie schön doch die Zahl ganz oben und wie mickrig dagegen der Auszahlungsbetrag. Dazwischen, unter den Abzügen, sind auch 6,5 Prozent für die Arbeitslosenversicherung. Wer jetzt aber glaubt, diese Leistung wird direkt als Arbeitslosengeld ausgezahlt, liegt falsch. Fast die Hälfte,
21 Milliarden – Euro, wohlgemerkt – geht in sogenannte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, oder zu Deutsch: ABM und Weiterqualifizierung. Die Arbeitslosigkeitsindustrie boomt: Mit der Aus- und Fortbildung ernähren sich 30.000 Unternehmen in Deutschland. Aber wer passt eigentlich auf, dass mit unserem Geld sinnvoll umgegangen wird?
Volker Steinhoff und Stephan Stuchlik über die eigentümliche Selbstkontrolle, über den Filz in der Bundesanstalt für Arbeit.




Kommentar:
Es ist Mittwoch, 8 Uhr früh. Mit versteckter Kamera besuchen wir eine Weiterbildung für Arbeitslose in Hamburg. Anwesend: Ein Internetspezialist, eine Näherin, ein Lagerarbeiter und auch eine ehemalige Personalsachbearbeiterin, für die das Thema heute besonders absurd ist: “Wie bewerbe ich mich?”
13 Uhr, einige gehen nach Hause. Der bizarre Grund: Die Leute hatten vorher Halbtagsjobs, müssen die Weiterbildung also nur zur Hälfte besuchen.
Und dann gibt es noch einen Teilnehmer, der den gleichen Kurs schon einmal besuchen musste: Lebensläufe schreiben.

0-Töne
Kursteilnehmer:
“Ich eigentlich lerne nichts dazu.”

Interviewer.
“Warum nicht?”

Kursteilnehmer:
“Weil das alles Blödsinn ist.”

Interviewer:
“Und warum ist das alles Blödsinn?”


Kursteilnehmer:
“Weil du ein Jahr deinen Lebenslauf so schreiben musst, das andere Jahr wieder anders.”

Kursteilnehmerin:
“Es hört sich schon nach Geldmache an. Also ich weiß es nicht so genau, was dahinter steckt, aber so ein bisschen meine Zweifel hab‘ ich auch bekommen.”

Kommentar:
Zwei Frustrierte, zwei von vielen. Denn Kurse wie dieser hier sind zumeist sinnlos. Experten wissen das schon lange.

0-Ton
Bernd Kriegesmann:
(Arbeitsmarktforscher)
“Es gibt eine Reihe von Studien, die das methodisch auch sauber belegen, dass eben die Nicht-Teilnehmer an Weiterbildung erfolgreicher beim Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt sind als die Weiterbildungsteilnehmer. Wir selbst haben in Beschäftigungsgesellschaften beispielsweise vor zehn Jahre eine Reihe von Analysen durchgeführt, die das auch belegen.”

0-Ton
Hilmar Schneider:
(Arbeitsmarktforscher)
“Im Milliardenbereich werden hier Mittel verausgabt, die nicht wirklich zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer beitragen oder sogar Arbeitsmarktchancen verschlechtern.”

Kommentar:
Die Bundesanstalt für Arbeit. Hier wird über den sinnlosen, aber milliardenschweren Weiterbildungsmarkt entschieden, finanziert aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung und Steuergeldern. Allein im letzten Jahr gab die Bundesanstalt 53 Milliarden Euro aus. Doch nicht einmal die Hälfte davon, nämlich
24 Milliarden, wurde als Arbeitslosengeld ausbezahlt. Fast genauso viel, nämlich
21 Milliarden Euro, gaben die Arbeitsämter für sogenannte “Arbeitsmarktpolitik” aus. Der größte Einzelposten: 7 Milliarden für die Weiterbildung. Und diese Damen und Herren sind in der Bundesanstalt dafür verantwortlich: der Verwaltungsrat. Dieses Gremium wird dominiert von Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern, hier genauso wie in jedem anderen Arbeitsamt in Deutschland. Gleichzeitig betreiben genau diese beiden Gruppen aber die größten Weiterbildungsunternehmen der Republik.

0-Ton
Hilmar Schneider:
(Arbeitsmarktforscher)
“In gewisser Weise hat man es hier mit einer Art Selbstbedienungsladen zu tun, denn diejenigen, die im Aufsichtsgremium sitzen, sind gleichzeitig diejenigen, die auf der anderen Seite Nutznießer der Mittel sind, die hier verausgabt werden.”



Kommentar:
Über 30.000 Anbieter wollen diese Mittel. Besonders erfolgreich – wen wundert’s – das bfw, das Bildungswerk des DGB.

Und sie organisierte den Aufstieg des bfw: Ursula Engelen-Kefer. Die DGB-Spitzenfunktionärin ist besonders aktiv, sowohl an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit als auch beim bfw.

0-Ton
Interviewer:
“Sie sind Aufsichtsratsvorsitzende des bfw – besteht da nicht die Gefahr der Selbstbedienung?”

Ursula Engelen-Kefer:
(DGB)
“Ich glaube, Sie täuschen sich, ich bin nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzende im bfw, und deshalb erübrigt sich die Frage. Ich weiß jetzt auch langsam, was dahinter steckt.”

Interviewer:
“Sie sind doch vom DGB, und der DGB ist in beiden Seiten vertreten. Der DGB hat ein Berufsfortbildungswerk einerseits, und der DGB sitzt im Verwaltungsrat der Bundesanstalt.”

Ursula Engelen-Kefer:
“Also, .....”

Kommentar:
Die Multifunktionärin scheint den Überblick verloren zu haben, denn unsere Nachfrage beim bfw ergibt eine klare Sachlage: Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Dr. Ursula Engelen-Kefer. Doch über ihre Doppelrolle will sie auch beim zweiten Anlauf nicht sprechen.

0-Ton
Ursula Engelen-Kefer:
“Ich bitte wirklich darum, hier gezielte Fehlinformationen zu unterlassen.”

Kommentar:
Die Gefahr von Interessenskonflikten am Weiterbildungsmarkt hat auch die Hartz-Kommission erkannt. Sie konnte aber bisher keine Lösung gegen den Filz durchsetzen.

0-Ton
Jobst Fiedler:
(Hartz-Kommission)
“Wir halten es für ganz wichtig, dass jedenfalls die Gefahr von Interessenkonflikten, die ja irgendwo nicht geleugnet werden kann, dass die ausgeschlossen wird.”

Kommentar:
Hauptprofiteur bei der Geldvergabe ist die Deutsche Angestellten Akademie, die DAA. Auch sie gehört zu einer Großgewerkschaft, ver.di. Und auch ver.di sitzt – wen wundert’s – in den Verwaltungsausschüssen der Arbeitsämter mit den Milliardenhaushalten. Doch über diesen Filz wollen die Gewerkschaftsfunktionäre lieber nicht sprechen.

0-Ton
Interviewer:
“Sie sind doch im DGB-Vorstand.”

Ursula Engelen-Kefer:
“Warum fragen Sie denn nicht andere. Ich mein‘, das betrifft genauso die Arbeitgeber.”

Kommentar:
In der Tat. An zweiter Stelle im milliardenschweren Weiterbildungsmarkt finden sich die “Bildungswerke der deutschen Wirtschaft”. Ihr Weiterbildungsangebot ist deswegen keineswegs besser. Wir besuchen dieses Mal einen Fortbildungskurs der Arbeitgeber in München. Ein ehemaliger Teilnehmer erinnert sich:

0-Ton
Erwin Jung:
(Kursteilnehmer)
“Es waren eigentlich erst mal wunderschöne alte Computer, es waren Computer – beim einen Computer war der Bildschirm dann eine Weile blau. Es gab einen Drucker für alle. Eine Kollegin saß vorne und hat Romane geschrieben. Andere haben sich da teilweise versucht, den Schreibschutz vom Computer zu knacken. Es war also ein lustiges Tun. Der Lehrer war eigentlich – er war anwesend auf dem Stockwerk, aber eigentlich kaum im Raum. Eine Schulung in dem Sinn fand nicht statt.”

Kommentar:
Für solche Weiterbildung kassieren auch die Arbeitgeber Milliarden von den Arbeitsämtern, die sie selbst mit kontrollieren. Und wie bei den Gewerkschaften gibt es auch hier Doppelfunktionäre. Stephan Götzl kontrolliert einerseits die Bundesanstalt für Arbeit und ist andererseits Vorstand des Bildungswerkes der bayerischen Wirtschaft, bbw. Dennoch hält er einen Interessenskonflikt für ausgeschlossen.

0-Ton
Stephan Götzl:
(bbw)
“Wir haben im Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft eine ganz klare Linie, seit einigen Jahren übrigens schon, gezogen, die ganz deutlich heißt, dass Mitarbeiter des Bildungswerkes in keinem Gremium der Bundesanstalt für Arbeit sitzen. Für uns kann ich das eindeutig ausschließen.”

Kommentar:
Schon erstaunlich: Stephan Götzl selbst sitzt in Personalunion sowohl in der Bundesanstalt als auch im Vorstand des Bildungswerkes. Erklärungsversuche:



0-Ton
Stephan Götzl:
Ich bin nicht aktiver Mitarbeiter im Bildungswerk, sondern ich sitze einem Lenkungsausschuss mit vor, der die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens versucht zu prüfen.”

Kommentar:
Also nicht “aktiver Mitarbeiter”, sondern bloß ein Chef. Die Möglichkeit zur Selbstbedienung hier bei der Bundesanstalt für Arbeit besteht fort, auch wenn es erste Reformen gibt. Doch an der Verwaltung durch Gewerkschaften und Arbeitgeber wird bisher nicht gerüttelt. Deshalb die Frage an den Arbeitsminister: Wann wird die Selbstbedienung abgeschafft? Zunächst eine ausweichende Antwort. Dann die Nachfrage.

0-Ton
Interviewer:
“Mir geht es darum, dass die Träger der größten Weiterbilder ja selber im Aufsichtsrat, also im Verwaltungsausschuss .....”

Wolfgang Clement:
(Bundesarbeitsminister)
“Ich habe Ihre Frage schon verstanden, aber ich möchte sie jetzt nicht konkreter beantworten, als ich es getan habe, sondern wir bereiten jetzt, natürlich auch in Diskussionen mit der Bundesanstalt, wir bereiten die Gesetzgebung vor.”

Kommentar:
Das dürfte schwierig werden. Denn die bisherigen Nutznießer wollen von Veränderungen nichts wissen.

0-Ton
Interviewer:
“Sie sind seit Jahrzehnten verantwortlich für die Weiterbildung – ist es nicht Zeit, Konsequenzen zu ziehen?”

(Ursula Engelen-Kefer geht ohne Antwort.)



Bericht: Volker Steinhoff, Stephan Stuchlik
Schnitt: Karen Menge



Abmoderation
Anja Reschke:

Ursula Engelen-Kefer ist inzwischen tatsächlich nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzende des Berufsfortbildungswerks. Drei Tage nach dem PANORAMA-Interview wurde ein neuer Vorsitzender gewählt. Aber in all ihren anderen Funktionärsposten wird sie uns erhalten bleiben.



www.gavagai.de/HHD03.htm

Aus "Der Steuerzahler"
August 2000 - Seite 158

Staatsausgaben: Immer aus dem Vollen

Die aktive Arbeitsförderung muss auf den Prüfstand

"Die Bundesanstalt für Arbeit braucht für ihre Programme keinen Bundeszuschuss mehr", so Bundesfinanzminister Eichel in seiner Pressemitteilung zum Entwurf des Bundeshaushaltes 2001. Diese Feststellung hätte schon viel früher getroffen werden müssen, denn trotz oder gerade wegen ihres mehr als üppigen Etats musste sich die Bundesanstalt in der Vergangenheit wenig Gedanken zur Effizienz ihrer Beschäftigungs - und Qualifizierungsmaßnahmen machen.

Anders hingegen Wissenschaft, Wirtschaft und Teile der Politik. Die haben sich in Anbetracht der katastrophalen Arbeitsmarktlage in Deutschland sehr wohl mit der Effizienz der Beschäftigungspolitik befasst. Das Ergebnis der Überlegungen ist eine vernichtende Kritik an den Fördermaßnahmen und der Effizienzkontrolle. Unverständlich, warum diese Kritik, obwohl seit Jahren erneuert, immer wieder im Leeren verhallt. Wozu die desolaten Qualifizierungs - und Fortbildungsbestrebungen führen können, kann an etlichen Beispielen aus der Praxis geschildert werden.
Ingenieure als Altkleidersammler
Händeringend sucht die deutsche Wirtschaft Ingenieure jeglicher Couleur. In den Karteikästen der Arbeitsämter findet man sie, doch vermittelt werden sie nicht. " … ich freue mich, Ihnen folgende Arbeitsstelle vorschlagen zu können: Helfer / in Altkleidersammlung" oder " … ich freue mich, Ihnen folgende Arbeitsstelle vorschlagen zu können:" Raumpfleger, - reiniger / in Gebäudereinigung ". Angeboten bekam diese Stellen nicht etwa ein Student auf der Suche nach einem Ferienjob, sondern ein 35 - jähriger deutscher Ingenieur und Physiker mit praktischer Berufserfahrung bei Mercedes Benz. Bevor es zu diesen Angeboten kam, musste er erst einmal als Deutscher Deutsch lernen, an kaufmännischen Weiterbildungsmaßnahmen und EDV - Schulungen teilnehmen über deren Inhalte, Praxisnähe und aktuellen Stand er sich als EDV - Experte allerdings nur wundern konnte. Soweit die Praxis.
Massive Kritik
Die Wissenschaft sucht emsig nach den Ursachen, die die aktiven Maßnahmen der Arbeitsämter offensichtlich im Sande verlaufen lassen und zu oben geschilderten Situationen in der Praxis führen. Als ein Knackpunkt wurde schon des Längeren die mangelhafte und falsche Erfolgskontrolle sowie das ( politische ) Operieren mit falschen Zahlen erkannt.

" Wie viel größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arbeitsloser nach einem Jahr eine Beschäftigung findet, wenn er an einer Weiterbildungsmaßnahme der Arbeitsämter teilnimmt, als wenn er das nicht tut? ", muss die relevante Frage lauten, um die Effizienz der Arbeitsmarktpolitik einschätzen zu können. Die Beschränkung auf die Berechnung von Verbleibsquoten, die den Anteil der Teilnehmer messen, die sich nach sechs Monaten nicht wieder arbeitslos gemeldet haben, gibt keine zuverlässige Erfolgsauskunft. Zudem sind schon diese ernüchternd, obwohl die Belastung der Steuer - und Abgabenzahler mit Mitteln für die aktive Arbeitsförderung enorm ist: 46 Milliarden Mark sollen im Jahr 2000 für Leistungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik bereitgestellt werden. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag zur" Effizienz von Beschäftigungs - und Qualifizierungsmaßnahmen "musste die Bundesregierung die Karten auf den Tisch legen. Demnach waren im Jahre 1998 bundesweit die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ( ABM ) mit einer Verbleibsquote von nur 40, 8 Prozent am erfolglosesten, gefolgt von den Strukturanpassungsmaßnahmen ( SAM ) mit 47, 1 Prozent und der Förderung der beruflichen Weiterbildung ( FbW ) mit 66, 3 Prozent. Die monatlichen Kosten pro Teilnehmer betrugen bei den ABM 2. 895 Mark, bei den SAM 2. 162 Mark und bei den FbW 3. 114 Mark.

Aufschlussreicher sind allerdings konkrete Untersuchungen in Form so genannter arbeitsmarktpolitischer Experimente. Die Amerikanische Bundesregierung etwa begnügt sich nicht mit der Berechnung von Verbleibsquoten, sondern misst ihre sozialpolitischen Erfolge in Experimenten mittels Kontrollgruppen unter Berücksichtigung der oben genannten relevanten Fragestellung. Ein wichtiges Ergebnis: Fast alle Anstrengungen, Jugendliche in den Arbeitsmarkt wieder einzugliedern, blieben wirkungslos! Von solch aussagekräftigen Untersuchungen ist man in Deutschland noch weit entfernt oder gar nicht daran interessiert." Ist es ökonomisch betrachtet auch Wahnsinn, so hat es doch Methode ", so der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Wolfgang Franz, ehemaliges Mitglied der fünf Wirtschaftsweisen, zur Ignoranz der Verantwortlichen gegenüber einer verläßlichenEffizienzkontrolle.
Scheinindikatoren für die Politik
Betrachtet man diesen Umstand wieder einmal politökonomisch wird schnell klar, dass den Beteiligten eigentlich nicht viel daran gelegen sein kann, den Nebel um die Effizienz ihrer aktiven Arbeitsmarktpolitik zu lichten. Der dann nämlich wahrscheinliche Nachweis einer Wirkungslosigkeit dieser Maßnahmen, brächte Angehörige der Arbeitsämter scharenweise um Betätigungsfelder und entzöge zahlreichen Trägergesellschaften der aktiven Arbeitsmarktpolitik eine einträgliche Geschäftsgrundlage. Schließlich würde das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit zu Tage treten und vorbei wäre es mit den vordergründigen, politisch motivierten Erfolgsmeldungen. Also wird lieber weiter mit Scheinindikatoren im Trüben gefischt, man ist ja finanziell gut gepolstert. Kritisch hinterfragt, muss sich der Interessierte oft mit der Antwort" umfassende und repräsentative Ergebnisse liegen der Bundesregierung nicht vor "bescheiden. Dabei dürfte die Entwicklung aussagekräftiger Indikatoren angesichts der beachtlichen Infrastruktur der Arbeitsämter leicht zu bewältigen sein. Wie lange kann es sich die Bundesregierung noch leisten, über Jahrzehnte hinweg jährlich zweistellige Milliardenbeträge für Maßnahmen zu verschwenden, deren Erfolg gemessen an den etablierten Quoten äußerst dünn ist?
widerspruch

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#6878
Re: Arbeitswille testen...... vor 11 Jahren, 7 Monaten Karma: 11
Hallo Leute,

ich finde die Idee gar nicht so schlecht. So kommen die Arbeitslosen und vor allem die Hatz4-Empfänger aus dem "schlechten Gerede und den Hetzkampanien" raus, denn Arbeit suchen tun alle und ich gehe davon aus, dass auch alle Arbeit annehmen wollen. Warum wird über kurzfristige Arbeitsaufnahme diskutiert? Ich perönlich setze voraus, dass jeder Arbeitssuchende, der auch arbeiten will (und davon geh ich aus) kurzfristig Arbeit aufnehmen kann.
Die Politik ist gefordert ihre Bürokratie abzubauen, denn die Wirtschaft hat angekündigt, dass sie bei bedeutend weniger Bürokratie in der Lage ist 4 Mio Arbeitplätze zu schaffen. Hier liegt der Schwerpunkt.
Na und was Umschulungen anbelangt, nehmt es locker, man lernt dort neue Menschen kennen, erweitert sein wissen und zu Hause fällt niemanden die Decke auf den Kopf.
Falke
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#6880
Re: Arbeitswille testen...... vor 11 Jahren, 7 Monaten Karma: -6
Da hat falke unumstritten recht, ich war auch immer froh mal aus dem Haus zu kommen und unter Leuten zu sein, unter Umständen kann sich daraus sogar eine echt dufte Truppe entwickeln.
Es gibt aber auch kursteilnehmer und leider sogar die sogenannten Dozenten die kein Geheimnis daraus machen wie sinnlos sie solche Unterfangen halten und relativ lustlos ran gehen. Das Trägt auch nicht gerade zur Motivation Arbeitsloser bei. Letztlich liegt es bei jedem selbst wie er an solche Dinge herangeht.
An der Bürokratie denk ich mal wird sich so schnell leider nicht viel ändern,man weicht ja nicht gern von geliebten (aber manchmal überflüssigen) Gewohnheiten ab.
Tammy
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