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Diskriminierung Arbeitnehmer ab 50
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THEMA: Diskriminierung Arbeitnehmer ab 50
#3246
Diskriminierung Arbeitnehmer ab 50 vor 11 Jahren, 11 Monaten  
Jemand schrieb:

Ich werde am 27.12.2005 58 Jahre jung.
Ich wurde im August 2004 das erste mal in meinem Berufsleben gekündigt. Danach bekam ich Arbeitslosengeld und im März 2005 noch einen 1€-Job.
Am 20.06.2005 wurde ich in einer anderen Firma befristet für 2 Jahre mit 6 monatiger Probezeit neueingestellt. Nun bekam ich gestern Abend (16.12.2005) die Mitteilung das ich die Probezeit nicht bestanden habe und die Kündigung zum 30.01.2006.

Für mich sieht das wieder einmal - wie hunderttausendfach in Deutschland - nach einer handfesten Diskriminierung älterer Menschen aus. Also ab 52 ist man nur noch Schrott und hat kein Recht mehr auf Bildung/Fortbildung oder Berufstätigkeit, weil man ja angeblich sowieso senil und kaputt ist und viel zu teuer für den Arbeitgeber. Angeblich kostet man dann nur noch und am liebsten hätten sie einen schon ab 52 Jahren Lebensalter im Krematorium eingeäschert (das wäre für das Arbeitsamt/Sozialamt immer noch kostengünstiger als Langzeitarbeitslosigkeit, ich weiß genau wie die denken !).

Die Gesellschaft kann es sich - übrigens zunehmend in ganz Europa - nicht leisten, so asozial mit älteren Arbeitnehmern umzugehen. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Wir haben zunehmend geburtenschwache Jahrgänge, es wird in Zukunft immer weniger jüngere Arbeitnehmer geben und wir sind mehr und mehr auf ältere Arbeitnehmer angewiesen. Die Vorurteile müssen dringend weg. Denn ältere Arbeitnehmer über 50 Jahren sind durchaus leistungsfäjig, berufs- und lebenserfahren mit hoher sozialer Kompetenz, zuverlässig, gewissenhaft. Mit ist ein Handwerker bekannt, der mit 71 Jahren noch den ganzen Tag arbeitet - der will das so, der sagt, dass er fit ist wie ein Turnschuh und sich nicht zur Ruhe setzen will, der arbeitet einfach weiter, wenn auch jetzt auf selbständiger Basis. Der ist mit 71 Jahren geistig und körperlich topfit, fährt Auto und alles.

Oft wird auch gesagt: Was will der oder die Arbeitnehmerin mit 50 oder 52 Jahren noch an einer betrieblichen Fortbildungsveranstaltung oder Qaulifizierung teilnehmen ? Was wollen denn die noch, die über 50 Jahre sind ? Die kriegen doch eh nichts mehr mit. Bildung ist nur für jüngere Menschen da, heißt es oft.

Und eben letzteres ist eine äusserst unverschämt-asoziale Diskriminierungsäusserung auch von Seiten ofizieller Stellen/Behörden. Ältere Menschen ab 50 Jahren haben sehr wohl das Recht darauf, sich weiter zu bilden - lebenslanges Lernen ist doch gefragt. Das angelernte Wissen ist nach 5 Jahren veraltet, man muss sich doch aktuell auf dem Laufenden halten. Einige Universitäten bieten ja die UDL-Universität des dritten Lebensalters für Menschen ab 50 Jahren an, das ist ein positiver Ansatz, weil man den Senioren nicht das Recht auf Bildung, Lernen, ja Leben abspricht.

Werner Hoffmann
Werner Hofmann

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#3260
Re: Diskriminierung Arbeitnehmer ab 50 vor 11 Jahren, 11 Monaten Karma: 11
Hallo Werner,

Du sprichst vielen (warum Älteren) aus dem Herzen.
Ich bin Gott sei Dank noch keine 50, werde es erst im Juli. Aber der Arbeitsmarkt ist nicht erst ab 50 geschlossen, sondern bereits ab 40. Die Erfahrungen und das Wissen, das wir im Arbeitsleben gesammelt haben steht bei den Arbeitgebern nicht zur Debatte, sondern der Profit.
Wir wollen hier keine Diskusion aufkommen lassen zwischen den Generationen, denn das ist das , was die Politik und die Wirtschaft brauchen: Unruhe zwischen den Generationen.
Aber Werner wir müssen denen zeigen, das gerade wir diese Taktik durchschaut haben und wir müssen den "Jungen" zeigen wie sie aus dem Dschungel der Demagogie kommen.
In meinem Umfeld leben sehr viel "ältere" Menschen über 50, aber auch junge Menschen die keine Arbeit haben. Niemand weder Jung noch Alt versinken in Selbstmitleid weil sie keine Arbeit haben. Im Gegenteil es hat sich eine Art Solidarität zwischen den Generationen entwickelt. Die "Älteren" unterstützen die jüngeren bei der Arbeitssuche und es gibt Fälle, da verzichten "Ältere" zu Gunsten der jüngerer Menschen. Warum?
Werner, wir haben in unserem Leben viel erreicht und wie Du richtig geschrieben hast jahrzente abgerackert. Wir haben uns eine Art Wohlstand geschaffen, haben unsere Kinder groß gezogen, so dass sie jetzt ihre eigenen Wege gehen, ihre eigenen Familien haben und beginnen ihre Kinder groß zu ziehen.
Was ist für mich als fast 50-jährigen wichtig? Für mich ist wichtig, dass meine Kinder Arbeit haben, um meinen Enkelkindern eine Zukunft zu geben. Dafür bin ich bereit auf einen Job zu verzichten, wenn diesen eines meiner Kinder bekommen kann. Das ist der Preis den ich zu zahlen bereit bin und ich glaube Du auch.

Nun zum zweiten Teil Deines Beitrages.
Meinst Du die Wirtschaft hat nicht schon langfristig die geburtenschwachen Jahre ein geplant? Was meinst Du warum die Industrie immer mehr automatisiert wird und was meinst Du, warum immer mehr Firmen in bevölkerungsreiche Billigländer abwandert? Meinst Du wirklich, dass es nur wegen der hohen Lohnkosten ist?

Ich bin auch wütend, dass ich bereits zum "alten Eisen" gehören soll, aber ich fühle mich deswegen nicht diskreminiert, sondern im Gegenteil, durch dies Einstellung der Politik fühle ich mich in eine Zeit zurück versetzt, die ich längst vergessen hatte.
Als ich jung war wollte ich wie jeder junge Mensch die Welt zum Besseren verändern. Irgendwann hat man auf gehört zu kämpfen, warum eigendlich?
Jetzt, in unserem (sagen wir fortgeschrittenen) Alter sollten wir diesen unseren "Jungendkampf" wieder auf nehmen. Jeder auf seine Art. Diesen Staat können nur wir verändern, weil unsere Kinder in unserem Wohlstand hinein geboren wurden.
Ich zum Beispiel weiß, dass ich bei meinem Amt bereits abgeschrieben bin, was mich nicht daran hindert den Sachbearbeitern immer wieder klar zu machen, dass es mich gibt, indem ich Menschen helfe die mit Ämtern und Behörden nicht klar kommen. In dem ich Menschen helfe, die von der Arbeitsagentur und ihrer ARGE vera.... werden, damit sie ihre Rechte bekommen und vorallem helfe ich jungen Menschen in Arbeit zu kommen.
Gerade jetzt 2 Tage vor Weihnachten konnte ich 2 junge Menschen, einen Familienvater und einen der es bald wird hier von Schwerin aus nach Lübeck in Arbeit vermitteln. Mein Lohn dafür? Die Freude und die leuchtenden Augen dieser 2 jungen Menschen sind mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Werner, die jenigen aus unserer Generation, die der Meinung sind "wir sind Müll", "uns will keiner haben" oder "wir sind zu alt", mögen sich von mir aus in die Ecke setzen und vor Selbstmitleid zergehen, aber alle anderen, die wie ich sagen "der Mensch ist so alt wie er sich fühlt" und die bereit sind Solidarität zu leben und nicht nur darüber zu reden, denen sichere ich meine Unterstützung zu. Der Kampf, den wir irgend wann in unserer Jugend begonnen haben, der ist noch nicht zu Ende.
Wir sind nicht zu alt, das Land braucht uns und die Menschen brauchen unsere Ehrfahrungen.
Wir lassen uns nicht unterkriegen!
Falke
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