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Bewerbungsunterlagen - Vorstellungskosten
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THEMA: Bewerbungsunterlagen - Vorstellungskosten
#14230
Bewerbungsunterlagen - Vorstellungskosten vor 10 Jahren, 3 Monaten Karma: -1
Hier mal etwas grundsätzliches zu Bewerbungsunterlagen - Vorstellungskosten:


Im Zeitalter von fünf Millionen!!!!! Jobsuchenden, hohem Bewerberaufkommen und Arbeitslosengeld II, wird es für die Betroffene zunehmend schwierig, ihre Bewerbungskampagnen zu finanzieren. Besonders diejenigen, die sich konsequent und auch überregional bewerben müssen leider feststellen, dass der finanzielle Aufwand für Bewerbungsunterlagen sowie Fahrtkosten schnell ein Ausmaß erreicht, dass kaum noch zu verkraften ist. Insbesondere die Bezieher von Arbeitslosengeld II sind hier betroffen. Selbst eine eventuelle Bezuschussung durch die Arbeitsagentur, fängt die Kosten nur unzureichend auf. Eine einzelne Bewerbung kann für Papier, Mappe, Druckkosten und Porto rasch über 10,00 € verschlingen. Umfasst eine Bewerbungskampagne einhundert professionell aufgemachte Bewerbungen, ist der Kandidat schnell mit 1.000,00 € dabei. Auch der Umstand, dass immer mehr Firmen eine Bewerbung via Internet bevorzugen, ändert hieran nichts: Hinterher wollen die meisten eine komplette Bewerbungsmappe.

Besonders ärgerlich ist es, wenn die Unterlagen von den beworbenen Unternehmen nicht mehr zurückgeschickt werden. Das geschieht immer öfter, selbst dann, wenn die Kandidaten per Stellenanzeige in der Zeitung oder dem Internet zur Bewerbung aufgefordert worden sind. Selbstverständlich verbleibt das Eigentum an den Bewerbungsunterlagen beim Bewerber. Aus diesem Grunde hat die empfangende Firma die Unterlagen pfleglich zu behandeln und unaufgefordert auf ihre Kosten wieder zurückzugeben, wenn es nicht zu einer Einstellung kommt. Dass die Portokosten bei einer Flut von Bewerbungen auch für das Unternehmen eine beachtliche Höhe erreichen können, ändert an der Rechtslage nichts. Schließlich weiß eine Firma vorher, dass sie mit einer hohen Bewerberanzahl rechnen muss.

Anders sieht der Fall aus, wenn der Bewerber eine so genannte Initiativbewerbung (auch Blindbewerbung) startet. Hier hat ihn das Unternehmen nicht zur Abgabe seiner Unterlagen aufgefordert. In diesem Fall hat der Empfänger die Unterlagen zwar auch sorgfältig zu behandeln. Er muss sie aber nicht auf seine Kosten zurücksenden. Will der Bewerber seine Unterlagen wiederhaben, muss er der Firma die Portokosten ersetzen. Es sei denn, er holt die Unterlagen persönlich wieder ab.

Lädt ein Unternehmen einen Kandidaten zum Bewerbungsinterview oder einem Assessmentcenter ein, entstehen diesem in der Regel Fahrt-, häufig auch Übernachtungskosten. Fraglich ist, ob er auf diesen Kosten sitzenbleibt.

Nun, rechtlich betrachtet, ist hier zwischen der Firma und dem einzelnen Bewerber durch die Einladung – egal ob schriftlich oder mündlich - ein so genanntes Auftragsverhältnis nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches zustandegekommen. Abzustellen ist hier auf § 670 BGB, wonach der Auftraggeber (das Unternehmen) dem Beauftragten (der Bewerber) seine Aufwendungen zu ersetzen hat. Nur dann, wenn das einladende Unternehmen den Ersatz der Aufwendungen vorher ausschließt, geht der Bewerber leer aus. Findet sich also im Einladungsschreiben des Unternehmens ein Satz wie:“ ...Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Auslagen im Zusammenhang mit dieser Einladung nicht erstattet werden. ...“, gibt es keinen Ersatz für die Vorstellungskosten.

Hat sich das Unternehmen aber nicht entpflichtet, kann der Bewerber Folgendes geltend machen:

- Bei der Anreise mit dem Pkw den Ersatz in Höhe der steuerlich geltenden Kilometerpauschale.

- Bahnkosten und Flugkosten in tatsächlich entstandener Höhe. Flugkosten sollten jedoch vorher mit dem einladenden Unternehmen abgeklärt werden!

- Übernachtungs- und Verpflegungskosten in tatsächlich entstandener Höhe. Übernachtungskosten sind insbesondere dann zu erstatten, wenn eine Abreise noch am Vorstellungstage nicht zumutbar ist.

Selbstverständlich ist es dem Bewerber nicht gestattet, Vorstellungskosten in unbegrenzter Höhe zu verursachen. Reist die Bewerberin auf den Job einer Vorstandssekretärin mit dem Flieger und in der Ersten Klasse an, checkt im Fünf-Sterne-Hotel ein und fährt mit der gemieteten S-Klasse einschließlich Chauffeur beim Unternehmen vor, wird sie garantiert auf ihren Kosten sitzenbleiben. Beim Vorstandsbewerber sieht das allerdings schon anders aus. Das mag man als ungerecht empfinden, es ist aber so.

Bleibt schlussendlich die Frage, ob und wann der Ersatz von Vorstellungskosten verlangt werden soll.

Wenn es zu einer Einstellung kommt, wäre es sicherlich weniger klug, auf Ersatz zu bestehen. Es sei denn, die Firma fordert von sich aus den Bewerber dazu auf, seine Kosten in Rechnung zu stellen. In allen anderen Fällen aber, in denen der Bewerber eine Absage bekommt, sollte auf Kostenersatz bestanden werden. Und zwar schriftlich unter Vorlage der fotokopierten Belege und mit Fristsetzung.

Auf der Rückgabe von Bewerbungsmappen sollte bei Nichteinstellung immer bestanden werden, notfalls unter Androhung von rechtlichen Weiterungen. Allerdings muss der Bewerber beweisen können, dass die Firma die Unterlagen auch erhalten hat. Das gelingt entweder durch Einschreiben mit Rückschein. Oder die Firma bestätigt den Eingang schriftlich bzw. mündlich am Telefon. Hat der Bewerber die Unterlagen persönlich vorbeigebracht, sollte er sich den Empfang quittieren lassen.

Stellt die Firma den Bewerber dagegen ein, werden seine Unterlagen Teil der Personalakte. Folglich kann er sie nicht zurückverlangen.

Kommen die Unterlagen bei Ablehnung des Bewerbers zerknittert zurück, kann sogar auf Schadenersatz geklagt werden, wobei sich wiederum das Beweisproblem stellt.

Oftmals sagen abgelehnte Bewerber, dass es besser sei, auf Kostenersatz oder Rückgabe der Bewerbungsmappe zu verzichten, um sich die Chancen einer nochmaligen Bewerbung nicht zu verbauen. Die Wahrscheinlichkeit, als bereits abgelehnter Bewerber später doch noch zum Zuge zu kommen, ist jedoch denkbar gering wie die Praxis zeigt.

Letzten Endes ist das Verhältnis zwischen Bewerbern und Unternehmen aber eine Frage des Umganges miteinander. Und hier liegt leider der Hund begraben: In einer Gesellschaft aber auch Wirtschaft, die sich Hemdsärmeligkeit und Ellenbogenprinzip immer mehr zur Regel macht, zählen Höflichkeit, Fairness und Anstand leider immer weniger. Allerdings ist das kein Anlass, als Bewerber auf seine Rechte zu verzichten.<br><br>Post ge&auml;ndert von: Guru, am: 12/08/2007 11:48
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